
Neuanfang auf dem Hof: Von der Milchkuh zur Mutterkuh
Nach einer Karriere als Forstwart und Lastwagenchauffeur entschied sich Simon Ritter, den Betrieb seines Vaters zu üb...
Mit 40 Jahren steht Beat Scheidegger vor einer entscheidenden Veränderung in seinem Leben: Nach fast 20 Jahren in der Privatwirtschaft kehrt er zurück auf den elterlichen Hof in Schüpbach im Emmental, um ihn ab 2026 offiziell zu übernehmen. Der Weg dorthin ist sorgfältig vorbereitet, die Betriebszweiggemeinschaft wurde bereits aufgelöst, und ein Übergangsjahr soll ihm Zeit geben, seine eigene Betriebsstrategie zu entwickeln. Mit einem reichen Erfahrungsschatz aus der Wirtschaft, unternehmerischem Weitblick und einer klaren Vorstellung von der Zukunft des Betriebs, bringt Beat Scheidegger die besten Voraussetzungen mit, um den Hof in die Zukunft zu führen.
Der Hof umfasst rund 11 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche davon rund 70 Aren Pachtland und wird intensiv bewirtschaftet. Die Betriebszweige umfassen Ackerbau mit Saatkartoffeln, Silomais und Gerste sowie Tierhaltung mit 6’000 Mastpoulets. Ein weiterer zentraler Betriebszweig ist die Schweinehaltung: Als Teil eines AFP-Rings mit insgesamt 200 bis 220 Muttersauen, wovon 140 bis 160 Muttersauen auf dem Betrieb Winkelmatt sind, trägt der Betrieb jährlich total 63 Grossvieheinheiten bei. Eine Herausforderung dabei ist der hohe Güllebedarf – die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben ist unerlässlich, um überschüssige Gülle abzugeben und den Betrieb nachhaltig zu führen.
Bis vor Kurzem war der Betrieb Teil einer Betriebszweiggemeinschaft, die jedoch aufgelöst wurde, um den Übergang auf Beat Scheidegger zu erleichtern. «Jetzt habe ich ein Jahr Zeit, mir zu überlegen, mit welcher Strategie ich den Betrieb führen möchte, mit wem ich zusammenarbeite und ob ich gewisse Anpassungen vornehmen will», erklärt er.
Obwohl es für Beat Scheidegger immer klar war, dass er den Betrieb eines Tages übernehmen würde, hatte er zunächst einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. Nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung absolvierte er die Weiterbildung zum Agrokaufmann und sammelte in verschiedenen Unternehmen und Branchen wertvolle Erfahrungen. Zuletzt arbeitete er als Projektleiter in einer Metallbaufirma.
«Ich bringe einen grossen Rucksack an Erfahrung mit, was das Unternehmertum anbelangt, darum mache ich mir keine Sorgen», sagt Beat Scheidegger selbstbewusst. Eine der Herausforderungen sieht er jedoch in der fehlenden Vernetzung innerhalb des landwirtschaftlichen Umfeldes: «Mein Netzwerk ist in einer anderen Branche – das wird sich aber mit der Zeit aufbauen.»
Trotz seiner langjährigen Tätigkeit ausserhalb der Landwirtschaft blieb er dem elterlichen Hof stets verbunden. Er war immer in betriebliche Entscheidungen eingebunden, führte bereits administrative Aufgaben und unterstützt seinen Vater, wo es nötig war. «Ich habe das Betriebsgeschehen immer mitverfolgt – aber es ist dennoch etwas anderes, wenn man es dann selbst in die Hand nimmt», erklärt er.
Ein weiterer Vorteil: Sein Vater bleibt ihm auch nach der offiziellen Übernahme als Unterstützung erhalten. «Er hat den Betrieb über 40 Jahre lang aufgebaut und seine Erfahrung wird weiterhin wertvoll sein, gleichzeitig soll er nach der Übergabe auch seine Freiheiten haben und das Leben geniessen», so der angehende Betriebsleiter.
Ein Betrieb mit dieser Intensität kann nicht ohne fundierte Vorbereitung und Beratung übergeben werden. «Wir haben uns frühzeitig beraten lassen und schon das erste Gespräch war wichtig, um zu verstehen, was alles auf einen zukommt», erklärt Beat Scheidegger.
Neben der Beratung war auch die Meisterprüfung eine wichtige Vorbereitung auf die Übernahme. Dort beschäftigte er sich mit verschiedenen Szenarien für die Zukunft des Betriebs. Zwei davon sind für ihn besonders relevant:
Ein zentraler Punkt für Beat Scheidegger ist die Frage nach der Flächennutzung. «Schön wäre es, wenn ich den Betrieb optimieren könnte, sei es mit intensiven Kulturen oder mehr Anbaufläche, sodass ich die Gülle nicht mehr wegführen muss – es ist nicht ideal, wenn ich Futter zukaufen und gleichzeitig Gülle abgeben muss», erklärt er. Mit der aktuellen Situation kann er aber gut leben und was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.
Auch beim Ackerbau sieht er Potential für Veränderungen. «Ich überlege mir immer wieder, was ich noch ausprobieren könnte», erzählt er. Und ein weiteres Anliegen ist die Modernisierung des Schweinestalls. «Hier könnte ich auch investieren», erklärt er. «Ich bin sowieso der Meinung, dass man als Landwirt immer ein Projekt im Hinterkopf haben sollte, an dem man arbeiten kann, denn Stillstand ist keine Option – weder für mich noch für den Betrieb», ergänzt er.
Beat Scheidegger steht vor einer grossen Herausforderung – und zugleich vor einer grossen Chance. Nach zwei Jahrzehnten in der Privatwirtschaft bringt er nicht nur einen frischen Blick auf die Betriebsführung mit, sondern auch das Wissen, wie man wirtschaftlich erfolgreich agiert.
«Ich freue mich darauf, wieder eine neue Herausforderung anzunehmen», sagt er mit Überzeugung. Und so bereitet er sich mit Sorgfalt und unternehmerischem Weitblick darauf vor, den elterlichen Betrieb erfolgreich weiterzuführen – mit klarem Blick für Innovationen, wirtschaftlicher Stabilität und einer nachhaltigen Zukunft.
Nach einer Karriere als Forstwart und Lastwagenchauffeur entschied sich Simon Ritter, den Betrieb seines Vaters zu üb...
Mit nur 20 Jahren übernahm Robin Kohli 2016 den elterlichen Betrieb in Gsteig bei Gstaad und hat seither nicht nur di...
David Stacher hat sich für die Landwirtschaft entschieden – aus Überzeugung. Seit der Betriebsübernahme im Jahr 2022 ...