
Vom Feld in die Küche: Wie Schweizer Gemüse seinen Weg zu uns findet
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Fakt ist: Die Nachfrage nach Eiern ist in der Schweiz aktuell sehr hoch. Besonders rund um Ostern schnellen die Verkaufszahlen traditionell in die Höhe. So gehören die Zeit vor Ostern und Weihnachten in der Schweiz zu den klassischen Spitzenzeiten, in denen der Eierkonsum sprunghaft ansteigt – sei es für den Osterbrunch, das Güetzi-Backen oder festliche Gerichte. «Dass während diesen Zeiten mehr Eier gebraucht werden, wissen wir – und darauf stellen wir uns ein», erklärt André Hodel, Vizepräsident und Verantwortlicher Ressort Markt bei der Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten GalloSuisse.
Der neueste Marktbericht von GalloSuisse hält aber fest, dass die Grundversorgung mit Eiern aktuell sichergestellt ist – auch wenn vereinzelt gewisse Sorten wie Bio- oder Regio-Eier vorübergehend fehlen können.
«Es hat vielleicht nicht alle Eiersorten jeden Tag verfügbar, aber am nächsten Tag hat es wieder frische Eier im Regal», sagt André Hodel, Vizepräsident und Verantwortlicher Ressort Markt bei der Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten GalloSuisse. Von einer echten Knappheit will er nicht sprechen: «Wir sind wirklich noch weit weg von einer Mangellage, sondern sehen einfach temporäre Engpässe.»
Aber warum erhöht man die Eierproduktion nicht einfach zu Ostern oder Weihnachten, wenn die Nachfrage explodiert? Die Antwort ist komplex. Und: Hühner funktionieren nicht wie Maschinen. Sie legen – physiologisch bedingt – maximal ein Ei pro Tag, unabhängig von saisonalen Bedürfnissen. Daran lässt sich auch mit moderner Technik nichts ändern. Dazu kommt, dass eine Planung über 540 Tage vorausläuft. Was die Branche heute entscheidet, betrifft also erst den Markt von übermorgen. Umso wichtiger sei es, langfristig und mit Bedacht zu planen. Kurzfristiges Hochfahren ist also schlicht nicht möglich.
«Würden wir unsere Produktion auf die Nachfragespitzen auslegen, hätten wir dann im Sommer eine massive Überproduktion», erklärt André Hodel. Eine Anpassung der Produktion an Ostern und Weihnachten würde also bedeuten, im Sommer auf Bergen von überschüssigen Eiern zu sitzen – denn das Ei ist ein Frischprodukt und nur begrenzt haltbar. «Wir können die Eier nicht einfach lagern oder einfrieren», ergänzt er.
Deshalb basiert die Schweizer Eierproduktion auf einem bewussten Kompromiss: Mit einem Selbstversorgungsgrad von rund 62,5 Prozent wird ein stabiler Sockel an Inlandproduktion gewährleistet, der in den Spitzenzeiten durch Importe ergänzt wird. Eine Strategie, die sich laut André Hodel bewährt hat.
«In der Landwirtschaft gibt es genügend Beispiele, was passiert, wenn der Selbstversorgungsgrad über 100 Prozent steigt – mit riesigen Überschüssen und Preisdruck», betont André Hodel. «Deshalb sind wir überzeugt, dass unsere Strategie die richtige ist», ergänzt er.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass auch andere Länder mit ähnlichen Problemen kämpfen. In vielen EU-Staaten ist die Eierproduktion rückläufig – unter anderem wegen der Vogelgrippe oder politischen Vorgaben, wie etwa dem Abbau von Tierbeständen in den Niederlanden. Das führt auch dort zu Engpässen, vor allem bei Eiern aus Freiland- oder Biohaltung.
Gleichzeitig steigt in vielen Ländern der Konsum – auch in der EU. In der EU werden viele Eier über den sogenannten Spotmarkt gehandelt, eine Art Eierbörse, wo Eier ausserhalb langfristiger Verträge gehandelt werden. Die Preise reagieren dort stark auf Angebot und Nachfrage. So kommt es, dass die Preise für Klasse-A-Eier laut EU-Dashboard im Vergleich zum Vormonat um 11,3 Prozent und zum Vorjahr gar um 20,9 Prozent gestiegen sind.
Um auf die hohe Nachfrage zu reagieren, hat die PAKO (paritätische Kommission Eier bestehend aus Handelsvertreter und Produzenten) im März beim Bundesamt für Landwirtschaft eine Erhöhung des Importkontingents beantragt. «Damit stellen wir sicher, dass die Bedürfnisse der Kunden gedeckt werden können», so André Hodel. Und: Die Beziehungen zu den ausländischen Lieferanten seien gut und langfristig abgesichert.
«Die Schweizer Eivermarkter pflegen langjährige Beziehungen zu ihren Lieferanten in Deutschland und Holland», erklärt André Hodel. «So werden sie auch in schwierigen Zeiten beliefert», erläutert er weiter.
Besonders dramatisch klingt die Warnung der Deutschen Eier Union, die sogar von einer möglichen Rationierung spricht. In der Schweiz sieht man das gelassen: «Dieses Szenario ist aus unserer Sicht überhaupt nicht realistisch», meint André Hodel.
Selbst wenn die Importe stocken würden, könnten die rund 3,5 Millionen Legehennen in der Schweiz jährlich immer noch über eine Milliarde Eier liefern. Das bedeutet rechnerisch: Rund 10 Eier pro Kopf und Monat – auch ohne Importe. «Ob das nun wirklich ein Grund für eine Rationierung ist, ist zu bezweifeln», ergänzt er.
Die Schlagzeilen rund um die Eierknappheit mögen dramatisch klingen – die Versorgungslage in der Schweiz ist aber stabil. Ja, es gibt Engpässe. Ja, gewisse Sorten sind nicht immer verfügbar. Aber die Versorgung funktioniert und hinter den Kulissen wird vorausschauend geplant und reagiert.
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