
«Emissionen reduzieren hat wirtschaftliches Potenzial»
Klimaschutz und Ökonomie können zukünftig Hand in Hand gehen, ist der Umweltwissenschaftler Roman Hüppi überzeugt. Um...
Die Agrarpolitik soll wirtschaftlich und sozial gesunde sowie zeitgemässe Familienbetriebe ermöglichen, erklärte BEBV-Präsident Jürg Iseli an einer Medienkonferenz im Vorfeld der Mitgliederversammlung. «Die Landwirtschaft spielt eine zentrale Rolle in der Krisentauglichkeit der Schweiz, indem sie die Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgt», so Iseli. Fehlanreize sollen vermieden und Landwirte fair an der Wertschöpfungskette beteiligt werden. Zudem strebt der BEBV eine Reduktion der Abhängigkeit von Direktzahlungen an.
Das Direktzahlungssystem soll nach Ansicht des BEBV vermehrt zielorientiert und weniger massnahmenbasiert sein. «Betriebe müssen mehr Handlungsspielraum erhalten», sagte der BEBV-Präsident. Sanktionen bei Nichterfüllung von Massnahmen sollen vermieden werden, stattdessen sollen Anreize für Verbesserungen geschaffen werden.
Als essenziel betrachtet der Verband die Förderung von Technologien, Infrastruktur und Innovation, insbesondere durch Digitalisierung. Diese soll jedoch als Hilfsmittel und nicht als Kontrollmittel dienen. Auch administrative Vereinfachungen seien notwendig und zwecks Planungssicherheit sollen agrarpolitische Zyklen zu verlängert werden, so Iseli.
«Betriebe sollen mehr Handlungsspielraum erhalten.»
Betriebe sollen ihr Geld primär am Markt erwirtschaften können, sagte Leana Waber, Co-Geschäftsführerin des BEBV. Dazu seien ein starker Grenzschutz ohne Lücken und verbindliche Vereinbarungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette nötig. «Handel und Detailhandel sollen sich zur Schweizer Produktion bekennen und Labels durch den Markt abgegolten werden, nicht durch den Staat», erklärte Waber.
Gleichzeitig müssten Zielkonflikte punkto Selbstversorgungsgrad analysiert werden. Der Druck auf die Tierproduktion steige, während sich die Pflanzenproduktion mit Herausforderungen wie fehlendem Pflanzenschutz konfrontiert sehe, so Waber weiter.
«Damit landwirtschaftliche Betriebe nachhaltig produzieren können, müssen die Rahmenbedingungen gesichert sein», erklärte sie. Dies betreffe sowohl die Tierproduktion unter anderem in Bezug auf die Arzneimittelversorgung als auch den Pflanzenbau in Bezug auf Schutzmassnahmen oder Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln.
Die Bedeutung des Pflanzenschutzes betonte auch Markus Lüscher, BEBV-Vizepräsident und selbst im Pflanzenbau tätig: Die klimatischen Bedingungen verschärften sich und der Schädlingsbefall nehme zu, während Pflanzenschutzmittel zunehmend eingeschränkt würden.
«Wirtschaftlich stehen Schweizer Landwirte unter starkem Druck durch Importkonkurrenz und sinkende Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für nachhaltige Produkte», erklärte Lüscher die Problematik. Zudem erhalte die Landwirtschaft im Vergleich zu anderen sicherheitsrelevanten Bereichen wie Energieversorgung und Landesverteidigung nicht mehr Mittel, sondern bleibe finanziell und politisch im Schatten. «Es braucht eine gezielte Stärkung der Landwirtschaft zur Erfüllung des Versorgungsauftrags», so Markus Lüscher. Dazu sei als Sofortmassnahme eine Auflösung des Zulassungsstaus bei Pflanzenschutzmitteln nötig.
«Die Schweiz muss viel affiner für die eigene Lebensmittelversorgung werden.»
Trotz der Herausforderungen sieht Lüscher vielversprechende Lösungen. Digitalisierung könne helfen, landwirtschaftliche Prozesse effizienter und umweltschonender zu gestalten. Automatisierte Systeme zur Überwachung von Schädlingen, Bodenkartierungen oder punktgenaue Düngemittelanwendungen sind Beispiele für diese technologische Fortschritte. Lüscher sprach sich auch für die neuen Züchtungsmethoden aus: «Auch neue Züchtungsverfahren bieten Chancen zur Ertragssteigerung und Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen.» Hier sei es nötig, die Bevölkerung über diese neuen Methoden aufzuklären und deren Vorteile zu kommunizieren.
Der BEBV fordert die Gründung einer Taskforce zur Zusammenarbeit von Experten aus Versorgung, Sicherheit und Produktion. Die Krisentauglichkeit der Schweizer Lebensmittelproduktion soll analysiert und die Inlandproduktion langfristig abgesichert werden. «Ohne eine gezielte politische und finanzielle Unterstützung ist die Versorgungssicherheit gefährdet», so Lüscher.
«Die Schweiz muss viel affiner für die eigene Lebensmittelversorgung werden», sagte Katja Riem, Nationalrätin und im BEBV-Vorstand. Die Forderungen des Verbandes seien in der heutigen Weltlage aktueller denn je. Mittels Vorstössen müsse der Druck der Basis im Bundeshaus ankommen, um Mehrheiten zu schaffen.
Auch Riem sieht die Probleme im Pflanzenschutzbereich als dringend an. Sie fordert unter anderem, dass Notfallzulassungen schneller und einfacher ermöglicht werden, um Ernten zu sichern. Aktuell bestünden bei über 100 Produkten Pflanzenschutzlücken. «Der Slogan ‹Wir schützen, was wir lieben› ist leider abgelaufen, wir können unseren Pflanzen nicht mehr schützen», so Riem.
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