Schweiz vs. Finnland: Im Wald hat Finnland Heimspiel

Finnland hatte im Final der Eishockeyweltmeisterschaft gegen die Schweiz die Nase vorn. Doch wie sieht es aus, wenn nicht Tore, sondern Bäume, Holz, Schutzwälder und Wertschöpfung zählen? Im dritten Teil der LID-Serie «Schweiz vs. Finnland» geht es um die Waldwirtschaft – und hier zeigt sich: Finnland spielt fast auf eigenem Eis.
Zuletzt aktualisiert am 23. Juni 2026
von Renate Hodel
12 Minuten Lesedauer
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Die Forst- und Holzwirtschaft ist eine tragende Säule der finnischen Volkswirtschaft. (rho)

Auf der Fahrt durch Südwestfinnland wechselt die Landschaft nur langsam. Wald, Feld, wieder Wald. Dazwischen Höfe, Dörfer, Seen, einzelne Silos und immer wieder Birken, Fichten und Kiefern. Selbst dort, wo Ackerbau betrieben wird, ist der Wald meist nicht weit. Viele finnische Landwirtschaftsbetriebe sind zugleich Waldbetriebe. Für die Familien ist der Wald Einkommensquelle, Reserve, Energiequelle und Teil der betrieblichen Strategie.

Das zeigt sich besonders deutlich auf der Paappala Farm. Timo Laaksonen bewirtschaftet nicht nur Ackerland, sondern auch rund 400 Hektaren Wald. Als der Betrieb in eine neue Getreidetrocknung investierte, war der Wald Teil der Rechnung. Früher verbrauchte der Hof bis zu 150’000 Liter Heizöl pro Jahr für die Trocknung. Heute läuft ein grosser Teil der Anlage mit Holzhackschnitzeln aus dem eigenen Wald. Der Ölverbrauch sank deutlich, die Wertschöpfung bleibt stärker auf dem Betrieb.

Das ist typisch finnisch. Der Wald steht nicht einfach neben der Landwirtschaft. Er ist Teil des ländlichen Wirtschaftssystems.

Finnland ist Waldland aus Überzeugung und Geografie

Finnland ist eines der waldreichsten Länder Europas. Rund drei Viertel der Landesfläche sind bewaldet. In absoluten Zahlen geht es um mehr als 20 Millionen Hektaren Wald – eine Dimension, die aus Schweizer Sicht kaum vorstellbar ist. Daneben hat Finnland rund 2,2 Millionen Hektaren Ackerland. «Wir haben also zehnmal mehr Wald als Felder», erklärt Markku Pulkkinen vom finnischen Bauern- und Waldbesitzerverband MTK und Mitglied des Verwaltungsrates der Finnischen Waldstiftung, welche Massnahmen zur Stärkung der Forstwirtschaft finanziert. Die Wälder prägen Landschaft, Wirtschaft, Energieversorgung, Exportindustrie und Selbstverständnis des Landes.

Der Wald prägt damit nicht nur die Landschaft, sondern auch die Wirtschaft. Holz fliesst in Sägewerke, Papier- und Zellstoffindustrie, Bauprodukte, Verpackungen, Energie und zunehmend in die Bioökonomie. Markku Pulkkinen bringt die Bedeutung auf eine einfache Formel: Die privaten Waldbesitzer hätten im vergangenen Jahr rund 3 Milliarden Euro Einkommen aus Holzverkäufen erzielt. Das sei in einer ähnlichen Grössenordnung wie die Einkommen der Landwirtschaft. «Die Wälder sind für uns also ebenso wichtig wie Felder, Bauernhöfe und Tiere», erklärt er. So ist die Forst- und Holzwirtschaft eine tragende Säule der finnischen Volkswirtschaft. Der Exportwert der Waldindustrie lag 2024 bei rund 12 Milliarden Euro – der Sektor steht für einen bedeutenden Teil der finnischen Warenausfuhren.

Gleichzeitig ist die finnische Waldwirtschaft nicht einfach eine Geschichte grosser Konzerne. Rund 600’000 private Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer prägen die Struktur. Viele davon sind Familien, Landwirte, Pensionierte oder Erwerbstätige mit Wald. Rund 60 Prozent der Wälder sind im Besitz nicht-industrieller privater Eigentümer. Der Staat besitzt rund ein Viertel, Unternehmen weniger als zehn Prozent.

Damit ähnelt Finnland in einem Punkt der Schweiz: Der Wald ist breit in der Gesellschaft verankert. Der Unterschied liegt in der Grösse und Bedeutung. In Finnland ist Wald nicht nur Besitz, sondern ein landesweiter Wirtschaftsfaktor.

Schweiz und Finnland im Agrarvergleich

Finnland hatte im Final der Eishockeyweltmeisterschaft in Zürich die Nase vorn. Nach 70 Minuten und 42 Sekunden platzte der Schweizer Traum vom Heimtitel und es blieb erneut nur Silber. Doch wie sieht es aus, wenn nicht Tore zählen, sondern Tiere, Felder, Wälder, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit?

Eine Reise mit dem europäischen Netzwerk der Agrarjournalistinnen und Agrarjournalisten ENAJ nach Südwestfinnland zeigt: Der Vergleich zwischen der Schweiz und Finnland ist kein einfaches Kräftemessen. Die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich – und gerade deshalb spannend. Finnland hat viel Fläche, viel Wald, lange Winter, dünnere Besiedlung und grössere Distanzen. Die Schweiz hat wenig Fläche, hohe Bevölkerungsdichte, starke Berg- und Graslandwirtschaft, hohe Preise, Grenzschutz und eine sehr direkte Nähe zwischen Landwirtschaft, Konsum und Politik.

In der Miniserie «Schweiz vs. Finnland» vergleichen wir vier Bereiche der Landwirtschaft: Fleischproduktion, Milchviehhaltung, Ackerbau und Waldwirtschaft.

Die Schweiz mit weniger Wald, aber mehr Aufgaben pro Hektare

Auch die Schweiz ist ein Waldland – aber auf andere Weise. Rund ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet. 2023 betrug die Waldfläche gemäss Schweizer Forststatistik rund 1,27 Millionen Hektaren. Das ist viel, aber im Vergleich zu Finnland wenig. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Fläche, sondern die Funktion.

In der Schweiz ist der Wald besonders stark als Schutzraum verankert. Rund die Hälfte des Schweizer Waldes ist Schutzwald. Er schützt Siedlungen, Strassen, Bahnlinien und landwirtschaftliche Flächen vor Lawinen, Steinschlag, Rutschungen, Murgängen und Hochwasser. Gerade im Alpenraum ist der Wald damit eine biologische Infrastruktur. Er ersetzt Beton nicht vollständig, macht aber viele technische Schutzbauten überhaupt erst entbehrlich oder kleiner.

Dazu kommen weitere Leistungen: Der Wald speichert Kohlenstoff, liefert Holz, bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen, filtert Wasser, kühlt Siedlungsräume, prägt Landschaften und dient als Erholungsraum. Für viele Menschen ist der Wald in der Schweiz zuerst ein Ort zum Spazieren, Biken, Pilze sammeln, Durchatmen – und erst danach ein Produktionsstandort.

Das macht die Schweizer Waldwirtschaft anspruchsvoll. Sie soll Holz liefern, aber nicht zu stark sichtbar nutzen. Sie soll Biodiversität fördern, aber auch Schutzwald stabil halten. Sie soll CO₂ speichern, aber gleichzeitig Holz für klimafreundliches Bauen und Energie bereitstellen. Sie soll wirtschaftlich sein, obwohl viele Leistungen nicht oder nur teilweise über den Markt bezahlt werden.

75 Millionen gegen 5 Millionen Kubikmeter

Der Unterschied in der Holznutzung ist deutlich. Finnland erntete 2024 rund 74,7 Millionen Kubikmeter Stammholz. Davon entfielen 84 Prozent auf Industrieholz und 16 Prozent auf Energieholz. Die gesamte Entnahme inklusive natürlichem Abgang lag bei rund 90,7 Millionen Kubikmetern.

In der Schweiz betrug die Holzernte 2023 rund 4,9 Millionen Kubikmeter. Nach vier Jahren Wachstum ging sie wieder zurück. Besonders Energieholz hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen: Hackholz war 2023 das einzige Sortiment, das zulegen konnte, und machte inzwischen rund 30 Prozent der gesamten Holzernte aus.

Der Vergleich ist eindeutig: Finnland spielt beim Holzvolumen in einer anderen Liga. Es produziert, verarbeitet und exportiert Holz in industriellem Massstab. Die Schweiz nutzt ebenfalls Holz, aber in viel kleineren Mengen und stärker eingebettet in Schutz-, Natur- und Erholungsfunktionen.

Interessant ist jedoch der Blick auf den Holzvorrat. Die Schweiz hat mit rund 420 Millionen Kubikmetern lebender Bäume einen sehr hohen Vorrat pro Hektare. Der durchschnittliche Vorrat liegt bei rund 347 Kubikmetern pro Hektare. Finnland verfügt insgesamt über rund 2,5 Milliarden Kubikmeter Holz, pro Hektare aber über einen deutlich tieferen Vorrat. Der finnische Wald ist riesig, der Schweizer Wald dicht.

Das heisst: Die Schweiz hat viel Holz im Wald stehen, nutzt es aber vergleichsweise zurückhaltend. Finnland hat viel Waldfläche, grosse Zuwächse und eine darauf ausgerichtete Industrie.

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In Finnland Kernbranche, in der Schweiz oft Defizitgeschäft

Die wirtschaftliche Bedeutung der Waldwirtschaft unterscheidet sich grundlegend. In Finnland ist der Wald ein zentraler Teil der Bioökonomie. In den finnischen Statistiken machen Forstwirtschaft, Holzprodukte sowie Papier- und Zellstoffindustrie zusammen einen grossen Teil der Wertschöpfung und Exporte aus. Die Bioökonomie steht insgesamt für rund ein Viertel der finnischen Warenausfuhren – innerhalb davon spielen Wald und Holz eine Schlüsselrolle.

Für landwirtschaftliche Familienbetriebe kann Wald zudem eine betriebliche Reserve sein. So werden Waldeinkommen traditionell genutzt, um Investitionen auf dem Hof zu finanzieren. Der Wald federt damit Risiken ab, ermöglicht Modernisierung und erweitert die Einkommensbasis.

In der Schweiz sieht die Rechnung anders aus. Viele Forstbetriebe arbeiten unter schwierigen Bedingungen. Steile Lagen, kleinteilige Strukturen, hohe Arbeitskosten, Schutzwaldpflege und tiefe Holzpreise belasten die Wirtschaftlichkeit. Die Forstbetriebe erfüllen Leistungen für die Allgemeinheit, die nur teilweise über den Holzverkauf finanziert werden können.

Die Schweizer Waldwirtschaft ist deshalb stark auf öffentliche Beiträge, Leistungsvereinbarungen und kantonale Unterstützung angewiesen – insbesondere bei Schutzwaldpflege, Biodiversität und Naturgefahrenprävention. Der Schweizer Wald ist weniger Rohstofflager als Multifunktionsraum.

Privat in Finnland, öffentlich in der Schweiz

Auch beim Waldeigentum zeigen sich zwei unterschiedliche Systeme. In Finnland sind rund 60 Prozent der Wälder im Besitz privater, nicht-industrieller Eigentümer. Das prägt die Waldwirtschaft stark. Familienwald bedeutet viele Eigentümer, unterschiedliche Ziele und eine mosaikartige Struktur. Manche bewirtschaften aktiv, andere setzen stärker auf Natur, Erholung oder Vermögenssicherung.

«Durchschnittlich besitzt jeder Waldbesitzer etwa 30 Hektaren Wald», erläutert Markku Pulkkinen. Um davon leben zu können, brauche es aber rund 1’000 bis 2’000 Hektaren. Trotzdem sei der Familienwald für viele wichtig – als Einkommen, Vermögen, Hobby oder Verantwortung gegenüber der nächsten Generation. Viele Waldbesitzer pflegen ihren Wald selbst, pflanzen Bäume oder erledigen kleinere Arbeiten mit der Motorsäge. Grössere Holzschläge übernehmen meist Unternehmen oder Waldbesitzervereinigungen.

Eine finnische Besonderheit ist das Jedermannsrecht: «Jeder von uns kann in den finnischen Wald gehen und Beeren pflücken, spazieren oder biken», sagt Markku Pulkkinen. Für die Waldbesitzer sei das grundsätzlich in Ordnung, solange der Wald und die Bäume keinen Schaden nähmen. Der Wald ist damit privat besessen, aber gesellschaftlich offen zugänglich.

In der Schweiz ist die Eigentumsstruktur fast umgekehrt. Rund 71 Prozent der Wälder gehören der öffentlichen Hand, 29 Prozent privaten Eigentümern. Die meisten öffentlichen Wälder gehören politischen Gemeinden, Burger- oder Bürgergemeinden. Im Mittelland und in den Voralpen ist der Privatwaldanteil höher, in den Alpen und auf der Alpensüdseite dominiert der öffentliche Wald.

Diese Eigentumsstruktur passt zur Rolle des Schweizer Waldes. Wo Schutzfunktionen und öffentliche Interessen besonders stark sind, ist auch der öffentliche Einfluss gross. Gleichzeitig bedeutet das: Entscheidungen über den Wald sind in der Schweiz oft politischer, lokaler und stärker an Gemeindestrukturen gebunden als in Finnland.

Die finnische Landwirtschaft

Die Produktionsbedingungen im Norden sind anspruchsvoll. Die Vegetationszeit ist kurz, die Kosten sind hoch und die Landwirtschaft ist stark auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Direktzahlungen und öffentliche Unterstützung sind in Finnland strukturell zentral: Die Agrarsubventionen machen etwa 30 Prozent der durchschnittlichen landwirtschaftlichen Produktion aus. In einigen Regionen und Produktionszweigen liegt dieser Anteil deutlich höher. Ohne Subventionen wäre das derzeitige Produktionsniveau wirtschaftlich nicht tragfähig. Die jährlichen Agrarbeihilfen – EU-Mittel und nationale Mittel zusammen – belaufen sich auf etwa 1,9 bis 2 Milliarden Euro.

Tero Hemmilä, Präsident des finnischen Bauernverbandes MTK, sprach in Turku denn auch offen von einem Ungleichgewicht in der Wertschöpfungskette. Die Zahl der Betriebe sei seit dem EU-Beitritt 1995 von rund 80’000 auf unter 40’000 gesunken, gleichzeitig produziere Finnland weiterhin gleich viel Lebensmittel. Die Produktivität sei enorm gestiegen, doch der Gewinn bleibe nicht ausreichend bei den Bäuerinnen und Bauern hängen. Zwei grosse Detailhändler kontrollierten rund 80 Prozent des Konsumentenmarktes, so Tero Hemmilä.

Trotz kurzer Vegetationszeit, kühlem Klima und grossen jährlichen Wetterschwankungen deckt die finnische Landwirtschaft einen grossen Teil der inländischen Lebensmittelversorgung ab. Lange Sommertage helfen dabei, die tiefen Temperaturen teilweise auszugleichen.

Rund 2,3 Millionen Hektaren werden landwirtschaftlich genutzt – das entspricht etwa 8 Prozent der Landesfläche. Die durchschnittliche Betriebsgrösse lag 2024 bei 55 Hektaren – Tendenz steigend. Wie in vielen europäischen Ländern nimmt die Zahl der Betriebe ab, während die verbleibenden Betriebe grösser werden. Familienbetriebe prägen die Landwirtschaft aber weiterhin stark.

Im Pflanzenbau dominieren Kulturen, die mit kühlen Bedingungen und kurzen Saisons zurechtkommen. Dazu gehören vor allem Gerste, Hafer, Weizen, Roggen und Futtergräser. Etwa die Hälfte des Ackerlands dient der Futterproduktion. Eine zentrale Rolle spielt die Tierhaltung, insbesondere die Milchproduktion: Finnland produziert jährlich rund 2,3 Milliarden Liter Milch. Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh gehört mit rund 11’170 Kilogramm zu den höchsten Europas.

Finnland betont international besonders seine Standards bei Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit. Dazu gehören ein sehr tiefer Antibiotikaeinsatz, nationale Programme zur Krankheitsprävention sowie Verbote beziehungsweise der Verzicht auf Praktiken wie routinemässiges Schwanzkupieren bei Schweinen oder Schnabelkürzen bei Geflügel.

Nachhaltigkeit: Zwei Länder unter Druck

Beide Länder betonen die Nachhaltigkeit ihrer Waldwirtschaft. Finnland verweist auf mehr als 100 Jahre Waldinventur, steigende Holzvorräte, Wiederbewaldungspflicht nach Nutzung, Schutzprogramme und biodiversitätsfördernde Massnahmen wie Totholz, Retentionsbäume, Pufferzonen und den Erhalt wertvoller Lebensräume. Rund 13 Prozent der wertvollsten Waldflächen sind von der kommerziellen Nutzung ausgeschlossen.

Markku Pulkkinen betont, dass Schutz in Finnland häufig auf freiwilliger Basis erfolge – mit Entschädigungen für die Waldbesitzer. Auch neue Modelle wie Naturwerthandel oder ökologische Kompensation würden wichtiger. Wenn eine Stadt oder ein Unternehmen etwa für ein Bauprojekt Naturwerte zerstöre, könne anderswo ein Waldbesitzer für den Erhalt bestimmter Naturwerte entschädigt werden.

Gleichzeitig steht Finnland international immer wieder in der Kritik, wenn es um Kahlschläge, Biodiversität, Moorböden und Klimawirkung der Holznutzung geht. Die Forstwirtschaft ist dort so bedeutend, dass Nutzungskonflikte zwangsläufig sichtbar werden. Auch Markku Pulkkinen sprach von neuen Herausforderungen – etwa durch die EU-Entwaldungsverordnung oder die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur. Für Finnland sei die Rückverfolgbarkeit von Holz besonders komplex, weil ein einzelner Baum für verschiedene Zwecke genutzt werde: Der wertvollste Teil gehe als Stammholz in die Sägeindustrie, dünnere Teile in die Zellstoffindustrie und Restholz in die Energieproduktion. Wer viel Wald nutzt, muss auch stärker erklären, wie Biodiversität, Kohlenstoffspeicherung und Produktion zusammengehen.

Auch die Schweiz hat keine einfache Ausgangslage. Der Wald steht unter Druck durch Klimawandel, Trockenheit, Stürme, Schadorganismen und steigende Ansprüche der Gesellschaft. Besonders der Schutzwald ist gefordert. Wenn Extremereignisse zunehmen, wird seine Bedeutung noch grösser – aber auch seine Pflege anspruchsvoller.

Die Frage lautet deshalb in beiden Ländern nicht, ob der Wald nachhaltig genutzt werden soll. Die Frage lautet, wie viel Nutzung, wie viel Schutz, wie viel Biodiversität, wie viel Energieholz und wie viel CO₂-Speicherung gleichzeitig möglich sind.

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Die Schweiz hat kurze Wege, hohe Holzvorräte und grosses Potential für Holzbau – nutzt dieses aber noch nicht vollständig. (rho)

Holz nutzen oder stehen lassen?

Der Wald ist in beiden Ländern Teil der Klimapolitik, aber mit unterschiedlicher Gewichtung. In Finnland geht es stark darum, Holz als erneuerbaren Rohstoff zu nutzen – im Bau, in Verpackungen, in der Bioökonomie und als Energiequelle. Die Argumentation lautet: Holz ersetzt fossile Rohstoffe und energieintensive Materialien.

In der Schweiz ist der Gedanke ähnlich, aber die Debatte stärker von Schutzwald, CO₂-Speicherung und Anpassung an den Klimawandel geprägt. Holzbau gewinnt an Bedeutung, Energieholz ebenfalls. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie viel Holz aus dem Schweizer Wald zusätzlich genutzt werden kann, ohne andere Waldleistungen zu schwächen.

Beim Klimaschutz gibt es deshalb keinen einfachen Sieger. Finnland hat grössere Mengen und eine starke Industrie, um Holzprodukte breit einzusetzen. Die Schweiz hat kurze Wege, hohe Holzvorräte und grosses Potential für Holzbau – nutzt dieses aber noch nicht vollständig. Beide Länder stehen vor demselben Ziel: Der Wald soll widerstandsfähig bleiben, während Holz vermehrt fossile Rohstoffe ersetzt.

Finnland mit Heimvorteil

Bei der Waldwirtschaft fällt die Abrechnung klarer aus als bei Fleisch oder Ackerbau. Finnland hat mehr Wald, mehr Holznutzung, mehr Industrie, mehr Exportkraft und eine stärkere Verbindung zwischen Wald, Landwirtschaft und Volkswirtschaft. Wenn Waldwirtschaft als Rohstoffnutzung und wirtschaftlicher Sektor verstanden wird, hat Finnland die Nase deutlich vorn.

Die Schweiz punktet anders. Ihr Wald leistet auf kleiner Fläche enorm viel: Schutz vor Naturgefahren, Erholung, Biodiversität, Landschaft, Wasserfilterung, CO₂-Speicherung und Holzproduktion. Gerade weil der Wald nahe bei Siedlungen, Verkehrswegen und Menschen liegt, ist seine gesellschaftliche Bedeutung hoch. Die Schweizer Waldwirtschaft ist weniger mengenstark, aber multifunktional.

Das Schlussresultat lautet deshalb: Finnland gewinnt die Waldwirtschaft nach Volumen und Wertschöpfung klar. Die Schweiz gewinnt bei Schutzleistung und Multifunktionalität pro Hektare. Im Gesamtduell geht der Punkt dennoch an Finnland. Denn im Wald spielt Finnland tatsächlich daheim.