Opfer der eigenen Effizienz
Die Schweizer Schweinebranche produziert mehr, als der Markt aufnehmen kann. An der Delegiertenversammlung von Suisse...

Die fenaco hat an ihrer Bilanzmedienkonferenz vom 12. Mai 2026 in Bern die Ergebnisse des vergangenen Geschäftsjahres präsentiert: Der Nettoerlös sank preisbedingt leicht um 1,1 Prozent auf 7,21 Milliarden Franken, während das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 3,2 Prozent auf 110,6 Millionen Franken zulegte. Die Nettoerlösrendite beträgt 1,5 Prozent.
Als Hauptursache für den Umsatzrückgang nennt die fenaco tiefere Preise im internationalen Getreidehandel sowie im Geschäft mit fossilen Energien. Beides sind externe Faktoren, auf die die Genossenschaft keinen direkten Einfluss hat. «Eine wirtschaftlich anspruchsvolle Gesamtsituation hat unser Geschäftsjahr geprägt», sagte der Vorsitzende der Geschäftsleitung Michael Feitknecht an der Medienkonferenz gemäss Redetext. Geopolitische Unsicherheiten, eine gedrückte Konsumentenstimmung und anhaltend hohe Kosten für Personal, Infrastruktur, Logistik und IT hätten das Jahr bestimmt.
Positiv hervorzuheben ist, dass alle vier Geschäftsfelder – Agrar, Lebensmittelindustrie, Detailhandel und Energie – ihre Marktanteile halten oder ausbauen konnten. Im Detailhandel erzielte die Volg Gruppe sogar einen Umsatzrekord. Die LANDI Läden verzeichneten nach drei wetterbedingt verhaltenen Jahren wieder leichtes Wachstum.
Im Agrargeschäft entwickelte sich das Futtermittelgeschäft positiv. Mit der Übernahme der Rolli-Pet Tiernahrung GmbH in Österreich baute die fenaco ihre Aktivitäten im Bereich Tierfutter und Tiergesundheit aus. Schwieriger war die Situation im Pflanzenbau und im Getreidehandel, wo volatile internationale Preise und Warenflüsse das Geschäft belasteten. Die zurückhaltende Investitionsbereitschaft französischer Landwirtinnen und Landwirte wirkte sich auf den Agrartechnik-Bereich aus.
In der Lebensmittelindustrie spürte die fenaco den preisorientierten Wettbewerb im Detailhandel, besonders bei Frischprodukten wie Fleisch, Gemüse und Früchten sowie beim strukturell rückläufigen Weinmarkt. Erfreulich lief es hingegen bei den Getränkemarken Ramseier und Elmer sowie im Eiergeschäft.
Das Energiegeschäft mit fossilen Brenn- und Treibstoffen verlief gut. Das Geschäft mit erneuerbaren Energien entwickelte sich hingegen aufgrund regulatorischer Unsicherheiten nicht wunschgemäss.

Die Eigenkapitalquote stieg erneut an und erreicht 66,5 Prozent. In Infrastruktur investierte die fenaco 171,3 Millionen Franken, unter anderem in Silosanierungen, Verarbeitungsanlagen und Ladeinfrastrukturen für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten. Ein Spatenstich für den Erweiterungsbau der Volg-Verteilzentrale in Oberbipp BE markiert dabei ein Grossprojekt: Auf rund 20'000 Quadratmetern entsteht ein neues Frischdienstgebäude, das 550 Verkaufsstellen von der Region Aargau bis in die Romandie versorgen soll.
Zusätzlich investierte die Genossenschaft 4,7 Millionen Franken à fonds perdu in Forschung und Innovation. Die Mittel flossen in Kooperationen mit Schweizer Hochschulen sowie in Projekte zu neuen Züchtungsverfahren, alternativem Pflanzenschutz und der Digitalisierung und Automatisierung der Landwirtschaft.
Vom Geschäftserfolg profitieren auch die Mitglieder der Genossenschaft: Total schüttet die fenaco 36,3 Millionen Franken aus. Davon gehen 29,6 Millionen Franken in Form von Leistungsprämien und Zinsen auf Anteilscheine an die 133 LANDI-Genossenschaften. Die Anteilscheine wurden erneut zu 6,0 Prozent verzinst. Direkt an die über 23'000 aktiven Mitglied-Landwirtinnen und -Landwirte fliessen 6,7 Millionen Franken über die fenaco Erfolgsbeteiligung, zuzüglich Geschenkpakete im Gesamtwert von 1,6 Millionen Franken.
Verwaltungsratspräsident Pierre-André Geiser tritt nach 20 Jahren im Verwaltungsrat, davon 11 als Präsident, von seinem Amt zurück. An der Delegiertenversammlung im Juni wird er das Zepter an Jean-Daniel Heiniger weitergeben, Landwirt aus Eysins im Waadtland und bisher Vizepräsident. Für Geiser war es die letzte Bilanzmedienkonferenz in seiner Funktion. Er blickte auf eine Amtszeit zurück, in der rund eineinhalb Milliarden Franken in Infrastrukturen investiert, die Eigenkapitalbasis gestärkt und die fenaco-Erfolgsbeteiligung eingeführt wurde.
Der GL-Vorsitzende Michael Feitknecht leitet die Geschäfte seit Juli 2025, die Bilanzmedienkonferenz war seine erste in dieser Funktion.
Feitknecht skizzierte auch die strategischen Leitlinien für die kommenden Jahre unter der Formel «4-3-2-1»: Die vier Geschäftsfelder bleiben das Fundament. Besonderes Augenmerk gilt drei Entwicklungsfeldern: dem gezielten Ausbau des internationalen Geschäfts, der vorausschauenden Entwicklung der Infrastruktur sowie Investitionen in die Gesundheit von Umwelt, Mensch und Tier. Intern soll die Effizienz der Netzwerkorganisation durch einfachere Strukturen und Prozesse gesteigert werden. All das geschieht unter einem Leitprinzip, dem genossenschaftlichen Zweckauftrag, die Schweizer Landwirtschaft zu stärken.
Für das laufende Jahr gibt sich das Unternehmen nüchtern: Geopolitische Unsicherheiten, anhaltend hohe Kosten und ein intensiver Wettbewerb lassen wenig Spielraum. «Eine verlässliche Prognose ist wegen der unsicheren Marktlage nicht möglich», sagte Feitknecht. Das Ziel sei dennoch, Nettoerlös und Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau zu halten. Das geplante Investitionsvolumen für 2026 beläuft sich auf 211,5 Millionen Franken.
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