Daniel Wachter: «Verdichtung ist zu wenig akzeptiert»
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«Den Böden in der Schweiz geht es grundsätzlich gut», findet Klaus Jarosch, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Agroscope. Gleichzeitig hält er fest: «Je intensiver die Landwirtschaft, desto grösser die Gefahr, dass die Produktionsfunktion langfristig gefährdet wird.» Eine Gefahr sei die Verdichtung durch schwere Maschinen. «Ein Drittel des Bodens ist mit Luft gefüllter Porenraum», erklärt er. Dieser sei Lebensraum für Bodenlebewesen und speichere Wasser. «Der Porenraum kann innert Sekunden zusammengepresst werden – die Auflockerung dauert Jahrzehnte», weiss er. Weitere Bedrohungen seien Humusverlust durch intensive landwirtschaftliche Nutzung, Versiegelung durch Infrastrukturbauten und Verunreinigungen, beispielsweise durch Mikroplastik.
Dabei sei in der Landwirtschaft die Sensibilität für Bodenschutz vorhanden, vor allem bei der jüngeren Generation. Man wisse, dass man nicht ins Feld fahren sollte, wenn der Boden zu feucht sei. Wenn die Feldfrucht reif sei, müsse man das jedoch tun. «Der ökonomische Druck ist so hoch, dass der Boden nicht immer höchste Priorität haben kann», sagt Klaus Jarosch.
Klaus Jarosch, Bodenspezialist, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Agroscope und ehemaliger Präsident der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz.
Für den Boden wichtig ist nicht nur termingerechte gerechte Nutzung mit nicht zu schwer Maschinen, sondern auch organische Düngung, um die Bodenlebewesen zu füttern. Die Bodenbiologie sei sehr wichtig für eine stabile Bodenstruktur, für sauberes Wasser und für die Nährstoffflüsse. «Mikroorganismen können Schadstoffe abbauen», erwähnt der Bodenspezialist. Jedoch sei noch viel zu entdecken über die Anzahl Organismen im Boden und ihre Funktionen. «Wir wissen mehr über die Tiefsee als über den Boden», stellt er fest. Denn die Bodenentwicklung sei regional sehr unterschiedlich und die Böden sehr heterogen.
Die Staffel 19 von «Agrarpolitik – der Podcast» dreht sich um das Thema «Bodenschutz in der Zukunft – Zukunftsaussichten für den Boden in der Schweiz». Ob wir in Zukunft noch Boden haben oder allen Boden verbauen oder zerstören, wird aus Sicht des Landschaftsschutzes, der Raumplanung, der Forschung und der Politik beleuchtet. Aufhänger ist das Soil Evolution Festival, eine Fachveranstaltung für Bodenfruchtbarkeit und Bodenaufbau im deutschsprachigen Raum, die vom 2. bis 5. Juni 2026 auf dem Berner Hausberg Gurten stattgefunden hat.
Diese Folgen sind erschienen:
Abhilfe schaffen soll das Nationale Kompetenzzentrum Boden, das zurzeit eine Methodik für eine schweizweit einheitliche Kartierung entwickelt, die 2029 gestartet werden soll. Dann würden Forscher während 20 Jahren Bodeninformationen sammeln. «Das geht nicht ohne Bodenprofile zu graben und Bohrstöcke zu benutzen», bemerkt Klaus Jarosch. Nur so erfahre man, wie tief ein Boden sei und welche Schichten er habe. Der volkswirtschaftliche Nutzen ist laut verschiedener Berechnungen gross. «Dank parzellenspezifischen Angaben zu Ton-, Humus- und Sandgehalt kann viel präziser gedüngt werden», erklärt der Bodenspezialist.
Für den Bodenschutz gebe es einige politische Instrumente. Klaus Jarosch unterscheidet dabei zwischen quantitativem und qualitativem Bodenschutz. «Beim quantitativen Bodenschutz hat die Schweiz ein grosses Problem durch Infrastrukturbauten, die viel Fläche beanspruchen», findet er. Beim qualitativen Bodenschutz reichten die verfügbaren Instrumente. «Die Frage ist, wie oft die Bodeninformationen genutzt und geprüft werden», bemerkt er.
«Agrarpolitik – der Podcast» zeigt Entwicklungen, Lösungswege und Handlungsachsen der Schweizer Agrarpolitik. Moderiert werden die Sendungen von Andreas Wyss, die Produktion verantwortet Hansjürg Jäger. Der Podcast ist auf allen gängigen Plattformen verfügbar und kann als Newsletter abonniert werden. Mehr unter www.agrarpolitik-podcast.ch.
Vernetzt ist Klaus Jarosch in der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz, die sich seit 1975 für Bodenschutz einsetzt. Ein wichtiges Angebot sei die Baubegleitung auf grossen Baustellen, damit mit dem Boden vorsichtig umgegangen werde. «Das System ist ein internationales Erfolgsmodell geworden», bemerkt er. Ausserdem küre sie jedes Jahr einen «Boden des Jahres», um auf interessante Themen aufmerksam zu machen. Für 2026 bestimmte die zuständige Arbeitsgruppe den «Archivboden», um zu zeigen, wie divers Boden ist.
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