Pilze in der Schweizer Ernährung: Gesunde Vielfalt im Trend
Pilze sind nicht nur schmackhaft, sondern auch nährstoffreich und könnten in Zukunft vermehrt dazu beitragen, die vie...
Geopolitische Verschiebungen, neue Zollregime und regionale Konflikte verändern die globalen Agrarhandelsströme spürbar. Die Schweiz ist als kleines Land eng mit dem Ausland verflochten und muss gleichzeitig ihre Versorgungssicherheit schützen. Zudem sind einige Landwirtschaftsbereiche stark von Exporten geprägt. Entsprechend reagiert die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft sensibel auf geopolitische Spannungen und Handelskonflikte.
Die Schweizer Agrarexporte beliefen sich gemäss Agrarbericht des Bundesamtes für Landwirtschaft im Jahr 2024 auf 10,68 Milliarden Franken. Darunter fallen mit Kaffee oder Schokolade aber auch Produkte, die nicht auf Schweizer Äckern gedeihen, sondern zunächst zur Verarbeitung importiert werden.
Das klar erfolgreichste «klassische» Schweizer Agrarexportprodukt ist aber der Käse. 2025 stiegen die Schweizer Käseexporte insgesamt auf 81’084 Tonnen, was einem Plus von 2,2 Prozent entspricht. Doch die Wertentwicklung verlief in die andere Richtung: Der Exportwert sank um 2,2 Prozent auf 732,6 Millionen Franken, der durchschnittliche Exportpreis ging auf knapp 9 Franken pro Kilogramm zurück. Preisgünstige Käse konnten demzufolge zulegen, während die Exporte von hochwertigerem Käse zurückgingen. Gemäss Switzerland Cheese Marketing (SCM) sind unter anderem die aktuelle geopolitische Lage sowie der anhaltend starke Schweizer Franken Gründe dafür. Auch die tiefe Konsumentenstimmung in einigen Exportländern, die ebenso mit der Weltlage zusammenhängt, hat ihre Mitschuld.
Wichtigster Exportmarkt für Schweizer Käse ist mit Abstand Europa, rund 85 Prozent der Menge wird dorthin geliefert. 48,6 Prozent der Exporte gingen gemäss Statistik der TSM Solutions GmbH nach Deutschland, 17,1 Prozent nach Italien. Immerhin 8,8 Prozent der Käseexporte gingen 2025 in die USA.
Gerade die USA mit ihrer aktuellen Zollpolitik und Zusatzzöllen zeichnen sich aber als schwieriger Markt aus. Die Käseexporte aus der Schweiz in die Vereinigten Staaten sanken demzufolge letztes Jahr um 18,4 Prozent auf 7’172 Tonnen. Da aber unter anderem verschiedene Sortenorganisationen das Risiko diversifizieren, also verschiedene Märkte bearbeiten, konnte der Rückgang aufgefangen werden. Ebenso hilft ein starker Inlandmarkt, die Exportrisiken abzufedern.
Während Schweizer Käse im Ausland Absatz findet, ist die heimische Landwirtschaft gleichzeitig bei zentralen Produktionsmitteln stark auf Importe angewiesen. Futtermittel, Stickstoffdünger, Pflanzenschutzmittel, Saatgut und Treibstoff kommen zu erheblichen Teilen aus dem Ausland. Der Krieg in der Ukraine hat 2022 gezeigt, wie schnell Weltmarktpreise für Getreide, Futtermittel und Dünger ausschlagen können, wenn ein wichtiger Lieferant ausfällt oder weniger liefern kann.
Durch die blockierte Strasse von Hormus rückten nicht nur die Erdöl-, sondern auch die Düngerlieferungen in den Fokus. Denn gut ein Drittel des weltweiten Handels mit Harnstoff, einem Stickstoffdünger, erfolgt durch die erneut praktisch blockierte Wasserstrasse. Bei Phosphat und Schwefel zeigen die Preise ebenso nach oben.
Auch wenn sich die Lage um Harnstoff etwas entspannt hat, sind weltweit steigende Düngerpreise und damit mit Verzögerung auch höhere Nahrungsmittelpreise zu verzeichnen. Die Versorgung der Schweiz mit Düngemitteln ist aber sichergestellt, wie das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) in der aktuellen «Lageübersicht der Wirtschaftlichen Landesversorgung» schreibt.
Internationale Handelsbeziehungen stehen unter Druck: Die Europäische Union ringt um Stabilität, einige Länder in Südamerika öffnen Märkte und die USA als Wirtschaftsmacht setzt unter anderem mit Zöllen einseitig nationale Interessen durch. Diese Entwicklungen verändern das Umfeld, in dem sich der Agrar- und Lebensmittelsektor weltweit bewegt, grundlegend.
Freihandel bedeutet Chancen für Exporte, aber auch Druck auf den Grenzschutz und die Preise der heimischen Produktion. Die Schweiz ist stark vernetzt und gleichzeitig abhängig von offenen Märkten. Mit einer Vielzahl von Freihandelsabkommen versucht sie, ihre Position zu sichern. Doch wie robust ist diese Strategie angesichts zunehmender Fragmentierung und geopolitischer Risiken? Wo stehen wir heute? Welche Abkommen sind in Kraft, welche in Verhandlung? Wie reagieren andere Länder auf die gleichen Herausforderungen – und warum?
Am Agrarpolitik-Forum an der HAFL in Zollikofen vom 27. und 28. August 2026 gibt es Raum für Analyse und Diskussion. Das Forum geht der Frage nach, wie sich die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft in dieser neuen Weltordnung positionieren kann und muss.
Alle Infos gibt es hier: SAF 2026 Internationale Agrarmärkte: Wie positionieren wir uns in der neuen Weltordnung? | BFH
Ein völliger Ausfall von Importen würde die Schweiz dennoch nicht unvorbereitet treffen. Seit dem Ersten Weltkrieg verfügt sie über ein System obligatorischer Pflichtlager für lebenswichtige Güter. Hintergrund war die Nahrungsmittelknappheit während des Krieges.
Verwaltet werden die Pflichtlager nicht vom Staat selbst, sondern von der Privatwirtschaft: Für Nahrungs- und Futtermittel ist die Réservesuisse Genossenschaft zuständig, für Stickstoffdünger die Agricura, für Mineralölprodukte die Carbura, für Erdgas die Provisiogas, für Heilmittel die Helvecura.
Die aktuellen Bedarfsdeckungen und Lagermengen für Nahrungs- und Futtermittel im Überblick:
Ware | Bedarfsdeckung | Lagermenge |
Zucker | 3 Monate | 50’000 t |
Reis (Speisezwecke) | 4 Monate | 16’400 t |
Speiseöle/-fette | 4 Monate | 36’660 t |
Kaffee | 3 Monate | 20’180 t |
Hartweizen | 4 Monate | 20’000 t |
Weichweizen | 4 Monate | 160’000 t |
Energie- und Proteinträger (Futtermittel) | 2 bzw. 3 Monate | 387’450 t |
Total | 690’690 t |
Quelle: Réservesuisse, Stand 1. Januar 2026
Zur Finanzierung dieser Lager, im Beispiel zu den Nahrungs- und Futtermitteln, erhebt Réservesuisse Garantiefondsbeiträge auf die Importe von Pflichtlagerwaren. Um bei steigenden Weltmarktpreisen die Pflichtlager weiter finanzieren zu können, braucht es teils Anpassungen. Das zeigte sich zuletzt beispielsweise beim Garantiefonds Getreide, wo per Anfang 2026 der Bundesrat den Beitrag von 4 auf 8 Franken pro 100 Kilogramm Getreide erhöht hat.
Während des Kalten Krieges lagerte die Schweiz teils einen ganzen Jahresbedarf an Reis, Speiseöl oder Brotgetreide, mittlerweile liegt die Menge rund bei einem Viertel- bis einem Dritteljahresbedarf. Beim mineralischen Stickstoffdünger gibt es seit Oktober 2025 eine neue Regel: Neu muss die Gesamtmenge der Pflichtlagerware an reinem Stickstoff einen Drittel des durchschnittlichen jährlichen Bedarfs in der Schweiz decken. Damit kann flexibler auf den inländischen Verbrauch reagiert werden statt mit einer per Verordnung festgelegten Zahl. Zuletzt ist der Verbrauch nämlich gesunken und die Fixmenge in den Pflichtlagern war zu gross.
Die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft ist damit weder schutzlos noch unabhängig. Pflichtlager, diversifizierte Absatzmärkte und eine starke Inlandproduktion erhöhen die Widerstandsfähigkeit. Gleichzeitig zeigen die zahlreichen jüngsten Handelskonflikte, Kriege und Krisen, dass Versorgungssicherheit nicht allein auf Erträgen von Schweizer Äckern beruht.
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