2100 Schwyzer Lehrpersonen sind begeistert

Der erste kantonale Schwyzer Bildungstag widmete sich am 10. Juni dem Thema Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE). Schule auf dem Bauernhof (SchuB) war mit einem Workshop zum Potential landwirtschaftsnaher Unterrichtsthemen für BNE mit dabei.

Rund 20 Volksschullehrpersonen lauschten auf dem Lamahof Sattel (einem SchuB-Betrieb) den Ausführungen von Andreas Reichmuth zu BNE-Unterricht mit Themen aus dem Landwirtschafts- und Ernährungsbereich. 

Auf dem anschliessenden Hofrundgang lernten sie von Regula und Bruno Betschart einiges über Lamas, Biodiversitätsförderung auf dem Betrieb und die Bedeutung der Verfügbarkeit des Wassers für die Landwirtschaft und uns alle. Den Schwerpunkt ihrer Ausführungen setzten Betscharts auf das Thema Wasserkreislauf und wie sie es mit Schülerinnen und Schülern auf dem Betrieb umsetzen und so den Wasserkreislauf von der Quelle bis zum Wasserhahn erlebbar machen. 

Als hätte der Himmel das Thema geahnt, zeigte er uns auf dem Hofrundgang, woher das wertvolle Nass kommt, das die Wiesen saftig spriessen lässt und die Quellen in der Umgebung des Hofs speist.

Das Bildungskonzept BNE

BNE möchte Kinder und Jugendliche im Schulkontext an die Auseinandersetzung mit komplexen Themen heranführen: Schülerinnen und Schüler sollen hinter die Kulissen eines Themas schauen, sich Sachwissen erarbeiten und dieses mit vorhandenem Wissen verknüpfen. Durch das Kennenlernen unterschiedlicher Perspektiven gehen sie Zusammenhängen, Widersprüchen, gemeinsamen Interessen und Interessenskonflikten auf den Grund und handeln am Schluss eine gemeinsame positive Zukunftsperspektive aus, in der möglichst viele Ansprüche erfüllt werden können.

BNE geht im Unterricht meist von Leitfragen aus, die herausfordernd und nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Im landwirtschaftlichen Kontext kann das zum Beispiel so eine Frage sein:

  • Was ist ein «guter» Apfel?
  • Was braucht es, damit Hühner «gute» Eier legen?
  • Was ist eine «gute» Wiese?
  • Wie entsteht ein «gutes» Rüebli?
  • Was ist «guter» Boden?
  • usw.

 

Nachhaltigkeitsdreieck (LP21) Mit Traktor (LID)

Landwirtschaftliche Tätigkeiten bewegen sich im Zentrum des Nachhaltigkeitsdreiecks, wo sich alle Nachhaltigkeitsfelder überschneiden. Dies illustriert auch die sehr unterschiedlichen und teils widersprüchlichen Anforderungen, die an die Bauernbetriebe heutzutage gestellt werden.

Was SchuB-Betriebe den Schulen bieten

SchuB bietet vor allem ein eindrückliches Erlebnis an einem nicht alltäglichen ausserschulischen Lernort. Die Verarbeitung des Erlebten geschieht nachgelagert zurück in der Schule, dafür ist die Zeit auf dem Hof zu kurz und zu wertvoll.

SchuB ermöglicht:

  • sinnliches Wahrnehmen und Erleben auf dem Hof.
  • einen Blick hinter die Kulissen eines Landwirtschaftsbetriebs und so einen Einblick ins reale Leben.
  • die Perspektive Lebensmittelproduzent/-produzentin aus erster Hand kennenzulernen.
  • ausserschulisches Lernen mit dem schulischen Lernen zu verbinden.
  • kognitives Erkennen: «Aha, so funktioniert das».
  • Emotionen, die das Lernen unterstützen.

Weitere Informationen zu SchuB: schub.ch

«Guten» Äpfeln auf der Spur

Zur Veranschaulichung ein Beispiel für BNE zur Leitfrage: «Was ist ein «guter» Apfel?»:

Vor dem SchuB-Tag sammeln die Kinder der die Klasse in der Schule ihre Lieblingsäpfel und degustieren sie. Was ist ein guter Apfel für mich und dich? Gross oder klein? Süss oder sauer? Rot, gelb oder grün? ...

Weiter befragen sie verschiedene Personen aus ihrem Umfeld zu ihren Apfelvorlieben und lernen, wo Äpfel wachsen und wann sie Saison haben.

Mit derselben Frage «Was ist ein guter Apfel?» im Rucksack, besuchen sie einen Betrieb mit Obstbäumen, im Idealfall einen mit Most- und Tafelobst.

Auf dem Hof sammeln die Kinder zusammen Mostobst. Sie sehen da Äpfel, die sie so noch nie gesehen haben und vergleichen sie mit den gekauften Äpfeln, die sie aus dem Laden kennen. Welche dieser etwas speziellen Äpfel kann man noch essen und welche sind hinüber? Welche kann man zum mosten noch brauchen?

Von der SchuB-Anbieterin erfahren sie etwas über die Gefahren, denen das Obst ausgesetzt ist und erfahren, was dagegen auf dem Landwirtschaftsbetrieb unternommen wird. Sie lernen unterschiedliche Apfelsorten sowie Hochstamm- und Niederstammkulturen kennen und was es braucht, damit ein Tafelapfel den Weg vom Baum bis in den Laden findet. 

Was ist denn da passiert?

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dabei mit solchen Fragen auseinander:

  • Was braucht ein Apfel, damit er gut wachsen kann?
  • Welche Tiere leben auf und um einen Apfelbaum?
  • Welche Tiere essen auch gerne Äpfel?
  • Was ist ein guter Apfel für einen Apfelwickler?
  • Wie schützt man Obst gegen Naturgefahren wie Frost, Hagel und die diversen Mitesser?
  • Welche Unterschiede gibt es zwischen Most- und Tafelobst?
  • Was ist ein guter Apfel für den Obstbaubetrieb?
  • Wie muss ein Apfel aussehen und schmecken, damit er im Laden gekauft wird?
  • Wie muss ein Apfel sein, damit er lagerfähig ist?
  • usw.

Zum Abschluss auf dem Hof wird gemeinsam Most gepresst und natürlich auch frisch ab Presse degustiert.

Zurück in der Schule sammeln sie die gemachten Eindrücke und vernetzen ihre Erkenntnisse. Je nach Altersstufe geschieht das unterschiedlich: schriftlich oder gezeichnet oder als PC-Bericht. Unabhängig davon beantworten die Kinder die Frage «Was ist ein guter Apfel?» nun anders und mit dem Bewusstsein der Herausforderung, diesen so herzustellen, dass er möglichst allen Ansprüchen genügt.

 

Die Bauernzeitung veröffentlichte am 18. Juni einen Artikel über den Anlass auf dem Lamahof:

> Link zum Artikel in der Bauernzeitung

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