Melior-CEO: Alle müssen ihr Marktziele zurückfahren

«Wir haben zu viele Schweine»: Mit dieser klaren Botschaft wandte sich Hansueli Christen an die Branche. Der Melior-CEO sieht die wirtschaftliche Lage vieler Produzenten gefährdet und forderte an der Melior-Jubiläumsveranstaltung ein Umdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2026
von Jonas Ingold
3 Minuten Lesedauer
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Hansueli Christen ist CEO der meliofeed AG. Das Unternehmen im Besitz der fenaco hat seinen Hauptsitz in Herzogenbuchsee. (jin)

Die Landwirtschaft brauche wieder mehr Generalisten. Mit dieser Botschaft eröffnete Hansueli Christen, CEO von Melior, seine Ausführungen an der Veranstaltung zum 90-Jahr-Jubiläum der Futtermühle an den Feldtagen in Kirchberg BE. Pflanzenbau und Tierhaltung dürften nicht isoliert betrachtet werden, so Christen. Wer die Landwirtschaft verstehen wolle, müsse die Zusammenhänge innerhalb des gesamten Systems erkennen.

Kreislaufwirtschaft hat tiefe historische Wurzeln

Christen spannte den Bogen über mehr als tausend Jahre Agrargeschichte. Anhand der Dreifelderwirtschaft und späterer Fruchtfolgesysteme zeigte er auf, wie eng Tierhaltung und Pflanzenbau seit jeher miteinander verbunden sind. Tiere lieferten nicht nur Milch und Fleisch, sondern auch den Dünger, der höhere Erträge ermöglichte. Damit seien die Grundlagen der heutigen Kreislaufwirtschaft bereits lange vor der Industrialisierung gelegt worden.

«Mehr Mist gibt mehr Dünger, mehr Dünger gibt mehr Ertrag», fasste Christen zusammen. Diese Zusammenhänge würden heute teilweise vergessen.

Christen betonte dabei die Bedeutung der Futtermittelbranche für die Kreislaufwirtschaft. Heute könnten 20 bis 25 Prozent der Nebenprodukte aus dem Pflanzenbau über das Mischfutter verwertet werden.

Deutliche Worte an die Schweinebranche

Am deutlichsten wurde der Melior-CEO beim Thema Schweinemarkt. Die aktuelle Marktlage bereite ihm grosse Sorgen. Der starke Preisrückgang werde zahlreiche Produzenten und ihre Familien unter Druck setzen. Christen sprach von einer Situation, die für Betriebe existenzbedrohend werden könne. Und das trotz guten Grillwetters und Fussball-WM, was den Schweinefleischkonsum ankurbelt.

Als Hauptursache sieht er eine Überproduktion. Deshalb richtete er einen eindringlichen Appell an die gesamte Branche: Alle Marktakteure müssten ihre Wachstumsziele zurückfahren und die Produktion reduzieren.

«Wir haben zu viele Schweine. Wir müssen uns anpassen, sonst macht es uns kaputt», so Christen. Nach seiner Einschätzung sollten die Unternehmen ihre Ziele um rund fünf Prozent senken, um das Marktgleichgewicht wiederherzustellen.

Zudem sprach sich Christen dafür aus, künftig verstärkt über Lieferverträge und vertikale Integrationsmodelle nachzudenken. In Deutschland sei dies bereits ein grosses Thema.  

Landwirtschaft als Gesamtsystem verstehen

Ein roter Faden durch das Referat war die Forderung nach einem ganzheitlichen Blick auf die Landwirtschaft. Christen hob wiederholt die enge Verbindung zwischen Pflanzenbau, Tierhaltung und Futtermittelproduktion hervor (siehe dazu auch den Artikel «Nahrungsproduktion ohne Nutztiere ist ineffizient»).