Frauen gestalten die Landwirtschaft von morgen

Zum UNO-Jahr der Bäuerinnen tritt der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband mit Nachdruck auf: Frauen tragen die Landwirtschaft, müssen aber weiter mit Herausforderungen kämpfen.
Zuletzt aktualisiert am 30. April 2026
3 Minuten Lesedauer
2026 SBLV DV Sblv

Es ist ein besonderes Jahr für die Frauen in der Landwirtschaft weltweit: Bäuerinnen, Landwirtinnen, Frauen in ländlichen Räumen. 2026 ist deren UNO-Jahr und der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) nutzt den Moment.

SBLV-Präsidentin Anne Challandes eröffnete in Lenzburg die 95. Delegiertenversammlung und zitierte dabei Bundespräsident und Landwirtschaftsminister Guy Parmelin, der die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft als Investition in «robustere, ausgewogenere und naturverträglichere Agrarsysteme» bezeichnete.

Dahinter steckt auch eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, belegt eine hartnäckige Ungleichheit: bei Einkommen und Produktivität, bei den Folgen des Klimawandels (Frauen tragen die Last von Hitzewellen überproportional) und bei der oft unsichtbaren Care-Arbeit, die zu einem grossen Teil unbezahlt bleibt. Das Schliessen dieser Lücken, so die FAO, würde nicht nur Frauen nützen. Es würde die globale Ernährungssicherheit und die wirtschaftliche Resilienz stärken.

Challandes liess keinen Zweifel daran, dass der SBLV diese Botschaft in der Schweiz in die Tat umzusetzen gedenkt. Mit einem Kommunikationsprojekt zum UNO-Jahr macht der Verband die Vielfalt der Frauen in der Landwirtschaft sichtbar.

«Es ist mehr denn je wichtig, zusammenzuhalten und geeint zu bleiben. Eine für alle. Alle für eine.»
Anne Challandes
Präsidentin SBLV

Rajka Frei neu im SBLV-Vorstand

Rajka Frei neu im SBLV-Vorstand

Im Rahmen der DV in Lenzburg fanden Gesamterneuerungswahlen statt. Auf die DV hin demissioniert hat Doris Marti, die seit 2020 im Vorstand vertreten war. Marti wurde an der DV für ihre Verdienste geehrt und verabschiedet.

Von den 137 Delegierten einstimmig neu gewählt wurde Rajka Frei. Sie übernimmt einen Vorstandssitz ohne regionale Bindung. Frei leitet zusammen mit ihrem Mann den Hanggelerhof in Hermatswil (Gemeinde Pfäffikon) ZH. Sie ist zudem Prüfungsleiterin Bäuerin D sowie Mitglied der Arbeitsgruppe Revision Höhere Berufsbildung Landwirtschaft.

«Ich habe grossen Respekt davor als Vorstand in einem der grössten Frauenverbände zu amten. Ich freu mich darauf, mit Blick auf die Grundwerte bewährtes zu pflegen und mit Weitsicht Neues in Angriff zu nehmen», sagt Rajka Frei nach ihrer Wahl. 

Bis auf Doris Marti stellten sich sämtliche bisherigen Vorstandsmitglieder zur Wiederwahl und wurden in globo wiedergewählt. Auch Präsidentin Anne Challandes wurde als Präsidentin einstimmig bestätigt.

Neue Mitglieder der Präsidentinnenkonferenz

Neu in die Präsidentinnenkonferenz gewählt wurden Martina Neff (Gais) für die Landfrauenvereingung Appenzell Ausserrhoden, im Co-Präsidium Ursula Brönimann (Rubigen) und Christa Krähenbühl (Oberhüningen) für den Verband Bernischer Landfrauenverbände sowie Thérèse Porret (Chavornay) für die Association des Paysannes Vaudoises.

Wechsel im Präsidium Ernährung & Hauswirtschaft

Weiter übernimmt neu Trudi Berchtold das Präsidium der Kommission Ernährung & Hauswirtschaft. Sie folgt auf Rahel Brütsch, die weiterhin im Vorstand bleibt. Trudi Berchtold arbeitete bereits am Landfrauen-Kochbuch «Aus 1 mach 5», das in Zusammenarbeit mit dem Magazin Landliebe erarbeitet wurde. Bereits kurz nach der Lancierung konnten im Buchhandel rund 800 Exemplare verkauft werden.

Guter Jahresabschluss

Geschäftsführerin Kathrin Bieri-Straumann konnte trotz budgetiertem Verlust einen positiven Jahresabschluss mit kleinem Gewinn präsentieren, was von den Delegierten sehr positiv aufgenommen wurde. 

Grosse Entschlossenheit

Gegründet wurde der SBLV 1932, ganze 40 Jahre bevor Schweizer Frauen überhaupt abstimmen durften. Dass engagierte Frauen aus verschiedenen Regionen damals trotzdem zusammenkamen und ihre Stimme erhoben, nennt Challandes eine Haltung, die uns bis heute prägt. Diese Entschlossenheit zeige sich heute in der Familien- und Sozialpolitik, in der Gleichstellung, in der Forderung nach gerechter Aufteilung der Care-Arbeit und bezahlbaren Betreuungsangeboten, auch und gerade in ländlichen Gebieten.

Als einer der fünf grössten Frauendachverbände der Schweiz biete der SBLV seinen rund 50'000 Mitgliedern ein Netzwerk, das von Netzwerktreffen im Bundeshaus bis zum Schweizer Frauenlauf reiche, so Challandes. Ein modularer Lehrgang zur Förderung von Frauen in Gremien und Politik soll die Repräsentation weiter stärken.

Der Ton von Challandes war klar und der Appell am Ende unüberhörbar: «Es ist mehr denn je wichtig, zusammenzuhalten und geeint zu bleiben. Eine für alle. Alle für eine.»

«Wer die Frauen in der Landwirtschaft stärkt, stärkt das ganze Land»
Markus Dieth
Regierungsrat Kanton Aargau

Im Rahmen des UNO-Jahres 2026 der Bäuerinnen und Landwirtinnen macht der SBLV die Leistungen der Frauen in der Landwirtschaft stärker sichtbar. Das Jahr soll einen positiven Impuls für eine gezieltere Berücksichtigung ihrer Anliegen in Gesellschaft und Politik geben.

Der Verband präsentiert in einer Kommunikationskampagne 16 Bäuerinnen und Landwirtinnen, die stellvertretend für die Leistungen aller 54’000 in der Landwirtschaft tätigen Frauen stehen. An der Delegiertenversammlung zeigten mehrere der Protagonistinnen auf, weshalb sie Bäuerin oder Landwirtin geworden sind, wie sie ihre Rolle als Frau in der Landwirtschaft sehen und welche Herausforderungen es gibt.

Bundesrat Jans: «Ohne Frauen läuft auf dem Betrieb nichts.»

Bundesrat Beat Jans, gelernter Landwirt, brachte es in seiner Rede auf den Punkt: Ohne Frauen läuft auf dem Betrieb nichts. Sie stemmen Arbeit in Hof und Haus, das entspricht bereits zwei Vollzeitjobs, und sind dabei oft noch ausserhalb des Betriebes tätig. «Jahrelang galt das in der Schweiz als selbstverständlich, ohne dass diese Leistung die nötige Wertschätzung erhielt», so Jans an der DV. Hinzu komme die fehlende soziale Absicherung, die viele Bäuerinnen bis heute in eine prekäre Lage bringe. Dass sich hier etwas bewegt, ist laut Jans massgeblich dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband zu verdanken.

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