Frauen, die Landwirtschaft tragen

Die Sonderausstellung «Frauen in der Landwirtschaft: gestern – heute – morgen» im Freilichtmuseum Ballenberg rückt jene ins Zentrum, ohne die Bauernbetriebe kaum funktionieren würden: Bäuerinnen, Landwirtinnen, Partnerinnen, Betriebsleiterinnen, Mütter, Unternehmerinnen. Es geht um Sichtbarkeit – aber auch um Anerkennung, Absicherung und gleichberechtigte Teilhabe.
Zuletzt aktualisiert am 13. April 2026
von Renate Hodel
5 Minuten Lesedauer
2026 Ausstellung Messen Frauen In Der Landwirtschaft Freilichtmuseum Ballenberg Pneu Mit Logo Am Eingang Rho
Die Ausstellung rund um Frauen in der Landwirtschaft auf dem Ballenberg ist eröffnet. (rho)

Seit letzter Woche ist die Sonderausstellung «Frauen in der Landwirtschaft: gestern – heute – morgen» im Freilichtmuseum Ballenberg zu sehen. Im Bauernhaus von Ostermundigen stehen diese Saison nicht Maschinen oder historische Geräte im Vordergrund, sondern Menschen: Frauen, welche die Schweizer Landwirtschaft gestern geprägt haben, heute tragen und morgen weiterentwickeln.

Konzipiert wurde die Ausstellung vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID. Realisiert wurde sie in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband SBLV und dem Freilichtmuseum Ballenberg. Anlass ist das Internationale Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen, das die UNO für 2026 ausgerufen hat. Als die UNO das Jahr 2026 unter anderem als das Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausrief, sei rasch klar gewesen, dass dies auch einen Ort brauche, an dem die Arbeit der Frauen sichtbar werde – und der Ballenberg sei dafür ideal, so Projektleiterin Nina Hübner vom LID.

Viele Realitäten, viel Arbeit, wenig Sichtbarkeit

Im Zentrum der Ausstellung stehen Frauen, die aktuell in der Landwirtschaft tätig sind, aber auch Pionierinnen, die den Frauen von heute den Weg geebnet haben, sowie junge Frauen, welche die Landwirtschaft von morgen prägen wollen.

Die Ausstellung setzt dabei nicht auf überladene Inszenierung, sondern auf Stimmen, Gesichter und Fragen. Besucherinnen und Besucher können interaktiv testen, was sie über Ausbildung, Rollenbilder und Fakten rund um Frauen in der Landwirtschaft wissen.

Dass die Ausstellung nötig ist, zeigen die Zahlen. In den knapp 48’000 Schweizer Landwirtschaftsbetrieben sind 37 Prozent der Beschäftigten Frauen – etwas mehr als 54’000 Personen. Viele gehören zur Betriebsfamilie, häufig als Lebenspartnerinnen. Sie übernehmen Aufgaben in Buchhaltung, Administration, Hauswirtschaft, Familienmanagement, Stall- und Feldarbeit, Direktvermarktung oder Betriebsführung. Gleichzeitig werden weniger als acht Prozent der Betriebe von Frauen allein geführt.

Anne Challandes, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands, betonte an der Eröffnung, Frauen seien nicht nur eine Stütze der Landwirtschaft, sondern auch Akteurinnen des Wandels. «Unser Ziel ist es, die Vielfalt, die Vielseitigkeit und die Kompetenzen der Frauen hervorzuheben, die sich in unserer Landwirtschaft engagieren, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Ausbildung, ihren Tätigkeiten und ihrem Verantwortungsbereich», erklärte sie. Die Porträts in der Ausstellung sollen Leistungen sichtbar machen – und jungen Frauen als Vorbilder dienen.

  • Erika Schläppi vom UNO-Ausschuss zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau...
    Bild herunterladen
  • ...und Anne Challandes vom Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband bei der Eröffnung auf dem Ballenberg. (rho)
    Bild herunterladen

Wenn nach dem Mann gefragt wird

Die Ausstellung feiert die Frauen der Landwirtschaft – sie blendet aber die offenen Fragen nicht aus. Erika Schläppi, Schweizer Mitglied im UNO-Ausschuss zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau, erinnerte daran, dass Gleichstellung auch in der Landwirtschaft kein gesellschaftspolitischer Luxus sei, sondern ein verbindlicher Auftrag.

Zwar habe sich in den letzten Jahren vieles verändert: Der neueste Bericht von 2022 zu Frauen in der Schweizer Landwirtschaft zeige, gestützt auf Umfragen, dass auch das Rollenbild und das Selbstverständnis der Frauen in der Landwirtschaft in Bewegung seien, so Erika Schläppi. «Frauen fahren heute auch den Traktor, das habe ich noch in meiner Jugendzeit als sehr männliches Privileg wahrgenommen», erzählte sie weiter. Ausserdem liessen sich immer mehr Frauen zur Landwirtin ausbilden, übernähmen leitende Aufgaben, trauten sich die Rolle der Betriebsleiterin zu oder führten Betriebe gemeinsam mit ihrem Partner.

Gleichzeitig berichteten Betriebsleiterinnen noch immer, dass sie von aussen nicht als solche wahrgenommen würden. Geschäftspartner fragten nach dem Mann auf dem Hof, Frauen würden eher mit Küche und Kindern verbunden als mit Betriebsleitung und Fachkompetenz.

2026 Ausstellung Messen Frauen In Der Landwirtschaft Freilichtmuseum Ballenberg Eroeffnungsfrauen Rho
Die Ausstellung über Frauen in der Landwirtschaft wurde gemacht und geprägt von Frauen und so standen selbstverständlich auch bei der Eröffnung Frauen im Rampenlicht. (rho)

Absicherung bleibt ein Thema

Ein wiederkehrendes Thema ist auch die soziale Absicherung. Zwar ist der Anteil bezahlter familienangehöriger Mitarbeiterinnen in zehn Jahren von 31 auf 55 Prozent gestiegen. Eine Entlöhnung verbessert auch die Vorsorge, etwa über AHV-Beiträge, Zugang zur zweiten Säule oder Mutterschaftsversicherung. Dennoch bleiben Lücken – gerade dort, wo Frauen auf dem Betrieb mitarbeiten oder ihn mitleiten, ohne dass ihr Beitrag schriftlich geregelt ist.

Besonders herausfordernd bleibt die Vereinbarkeit von Beruf, Schwangerschaft, Mutterschaft und Familie. Vertretungslösungen und deren Finanzierung können zum Hindernis werden, wenn keine Lösung innerhalb der Familie möglich ist. «Dieser Punkt sowie einige andere müssen noch gelöst oder verbessert werden, beispielsweise durch Fördermassnahmen für den Einstieg als Betriebsleiterin», betonte Anne Challandes.

2026 Ausstellung Messen Frauen In Der Landwirtschaft Freilichtmuseum Ballenberg Eroeffnung Martin Michel Virginie Bugnon Jonas Ingold 01 Rho
Geschäftsführer des Freilichtmuseums Ballenberg Martin Michel, Virginie Bugnon vom SBLV-Vorstand und LID-Geschäftsführer Jonas Ingold eröffnen die Sonderausstellung. (rho)

Gestern, heute und morgen

Die Ausstellung zeigt damit nicht nur, was Frauen leisten. Sie zeigt auch, wie sich Rollen verändern. Das «Gestern» steht für Arbeit, die oft selbstverständlich war, aber selten benannt wurde. Das «Heute» zeigt Frauen, die Betriebe mitführen, eigene Betriebszweige aufbauen, auswärts arbeiten und Familie, Hof und Unternehmertum verbinden. Das «Morgen» verkörpert die nächste Generation von Frauen, die sich heute bewusst für eine Zukunft in der Landwirtschaft entscheiden.

So macht die Ausstellung sichtbar, was auf Bauernhöfen lange im Hintergrund blieb: Frauen prägen die Schweizer Landwirtschaft. Nicht als Randfiguren, sondern als Fachkräfte, Entscheidungsträgerinnen, Unternehmerinnen und Trägerinnen von Wissen. Das Internationale Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen liefert dafür den Anlass. Das Freilichtmuseum Ballenberg gibt ihnen den Raum.