Landwirtschaftliche Leaderinnen im Gespräch: Wie Frauen die Agrarbranche prägen

Vier Frauen, vier Geschäftsführerinnen, eine gemeinsame Mission: die Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft von morgen zu gestalten. Am vergangenen Dienstag trafen sich Andrea Schöni, Kirsten Müller, Rebekka Strub und Theres Beutler zu einer Podiumsdiskussion auf dem Ballenberg anlässlich der DV des LID.
Zuletzt aktualisiert am 13. Mai 2026
3 Minuten Lesedauer
DV 2026 Podium 1 Ewi
Rebekka Strub, Theres Beutler, Mirjam Hunziker (Moderatorin), Kirsten Müller und Andrea Schöni bei der Podiumsdiskussion auf dem Ballenberg (v.l.n.r). ( Bild lid)

Im Fokus der Diskussion standen die Herausforderungen als Frau in einer traditionell männlich dominierten Branche und der Weg zu echter Anerkennung.

Kampf um Akzeptanz

Als Geschäftsführerinnen tragen die vier Frauen die volle Verantwortung für ihre Betriebe und Unternehmen. Dennoch begegnen den Teilnehmerinnen oft der Skepsis einer männerdominierten Branche.

«Immer wieder passiert es, dass ein Vertreter auf den Hof fährt und fragt, hat dein Mann keine Zeit oder ist der Chef nicht da?», erzählt Rebekka Strub. Sie ist Meisterlandwirtin und leitet einen Betrieb mit 45 Hektaren Land im solothurnischen Trimbach. Auch bei Berufskollegen musste sie sich erst beweisen.

Heute wissen es die Leute in ihrem Umfeld. Am schlimmsten sei es, wenn sie an einem Anlass sei, wo sie niemanden kenne, wie zum Beispiel an der Präsidentenkonferenz. Dort werde sie oft gar nicht beachtet oder nur als Sekretärin wahrgenommen, anstatt als Fachkollegin. «Nur weil ich nicht im Stehen pinkeln kann, nimmt man mich nicht als voll.»

Wie geht sie damit um? Es nicht persönlich nehmen, sich zeigen und Präsent sein hilft, Vorurteile abzubauen. «Wenn sie gesehen haben, dass du es kannst, wendet sich das Blatt, dann bewundern sie dich», sagt Rebekka Strub.

Die LID-Delegiertenversammlung 2026

Die Delegiertenversammlung des LID fand 2026 auf dem Ballenberg statt. Sämtliche Geschäfte wurden von den Delegierten einstimmig genehmigt. Die Geschäftsstelle informierte über die laufenden Projekte sowie die neue LID-Strategie 2026+. LID-Präsident Stephan Hagenbuch verabschiedete das langjährige Vorstandsmitglied Markus Berner und dankte für die geleisteten Dienste. Der Sitz bleibt bis zu den Gesamterneuerungswahlen 2027 vakant. Nächstes Jahr feiert der LID zudem das 90-jährige Bestehen. Die Unterlagen zur GV gibt es unter www.lid.ch/dv2026

Druck sich zu Beweisen

Auch Andrea Schöni erzählt, dass sie sich am Anfang beweisen musste, als sie die Geschäftsführung der Schöni Swissfresh AG von ihrem Mann übernommen hatte. «Als Frau ist dieser Druck, noch stärker».

Ähnliches erlebt Theres Beutler, Geschäftsführerin von Rigitrac und der Sepp Knüsel AG. «Etwa bei Betriebsbesichtigungen werden manchmal Fragen gestellt, die sehr ins technische Detail gehen. Dann merke ich, es ist ein Austesten.»

Im Gegensatz dazu würden sie und ihre Schwestern von den Bauern gut akzeptiert als Betriebsleiterinnen. Sie erleben es, dass sie bewundert werden und Kunden zu ihnen kommen, gerade weil sie Frauen sind. Auch ihr Vater sei sehr stolz, dass sie das Geschäft so voller Leidenschaft führen.

Bei den Lohnunternehmern weht ein härterer Wind

Auf grosse Skepsis ist auch Kirsten Müller gestossen, als sie Geschäftsführerin des Verbandes Lohnunternehmer Schweiz geworden ist. «Das Vertrauen von 400 charakterstarken Typen zu gewinnen war ein hartes Brett», erzählt sie.

Wie hat sie das geschafft? Sie habe versucht, sich in die Lage ihrer Mitglieder hineinzuversetzen. «Lohnunternehmer ist ein knallhartes Business. Die sind eine direkte und klare Ansprache gewohnt», dabei habe ihr ihre deutsche Herkunft geholfen. Zudem sei es ihr wichtig, authentisch zu bleiben.

Inzwischen wird Kirsten Müller von ihren Mitgliedern geschätzt. Sie führt intuitiv und mit Leidenschaft. Das unternehmerische Denken liege ihr. Neben Kompetenz gehört auch Durchsetzungskraft zu ihrem Erfolgsrezept. «Ich stellte klar: ich brauche euch und ihr braucht mich. Jetzt müssen wir zusammenarbeiten.»

Auch Empathie und eine Diskussion auf Augenhöhe definieren ihren Führungsstil: «Ich finde es sehr wichtig, dass man sich ihn die Lage des Gegenübers hineinversetzt und ihn versteht.»

DV 2026 Podium 4 Jba

Ein anderer Führungsstil für eine neue Generation

Bei allen vier Podiumsteilnehmerinnen hat sich der Führungsstil geändert. Eine Frau ist eine andere Führungsperson, doch grundsätzlich sei dies nicht anders als bei Männern: «Jede Person führt anders». Wichtig sei auch der Übergabeprozess, bei dem sich alle Seiten gegenseitig kennen lernen, sagt Andrea Schöni, die im Herbst den Betrieb an ihre Tochter weitergeben wird.   

«Wir führen den Betrieb anders als unser Vater», sagt Theres Beutler. Ihr Unternehmen beschäftigt heute 80 Mitarbeiter, der Zeitgeist habe sich geändert und so auch der Umgang miteinander.

Sie und ihre Schwestern kommunizieren transparent, und sehen sich selbst als Teil der Mitarbeiter. Sie ermutigen diese, mit Problemen sofort zu kommen und diese durch Gespräche möglichst früh aus dem Weg zu räumen. Daher herrsche unter ihren Mitarbeitern Zufriedenheit. Auch mit der neuen Generation setzt sich die Familie auseinander. «Auch Bewerbungen über Instagram müssen wir wohl akzeptieren», sagt Beutler und lacht.

Die Mitarbeiterinnen von Rebekka Strub sind grösstenteils vierbeinig. Als Meisterlandwirtin bildet sie auch Lernende aus, bisher mehrheitlich Frauen. Ein Grund ist, dass sie sich mehr Zeit nimmt, um diesen Etwas anders oder genauer zu erklären. 

Ihre Menschlichkeit sieht sie als Vorbild für andere Betriebe. «Ja, ich bin eine Frau und ich führe meinen Betrieb anders. Das hat ganz viele Vorteile und das ist ein Gewinn und keine Konkurrenz.»

«Frauenquote könnte helfen»

Kontroverse Meinungen hatten die Frauen zum Thema Frauenquote. Theres Beutler findet, dass Leidenschaft im Vordergrund stehen soll und nicht das Geschlecht. Denn jede Frau, die aus Leidenschaft etwas aufgebaut habe, laufe die Gefahr, nur noch als Quotenfrau angeschaut zu werden.

Auch wenn Kirsten Müller diese Gedanken verstehen kann, argumentiert sie: «Eine Frauenquote könnte in der männlich dominierten Landwirtschaftsbranche helfen, verkrustete Strukturen aufzuweichen.»

Einig sind sich alle Frauen, dass sie Vorbilder sind. Vorbilder für die Landwirte und deren Töchter, sowie andere Frauen, die ebenfalls einen Betrieb führen könnten und dafür einzustehen.