Vom Biogmüestag zu den Bio-Days
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Die Auberginen starteten dieses Jahr fulminant in die Saison. Zwei Wochen früher als üblich erntete Michael Moser schon am 11. Mai 2026 die ersten Früchte. «So früh wie nie in den vergangenen zwanzig Jahren», sagt der Gemüsegärtner aus Kerzers im Kanton Freiburg.
Er baut in seinem Gewächshaus auf 8’000 Quadratmetern Auberginen an und gehört damit zu den grösseren Anbaubetrieben der Kultur in der Schweiz. Die Jungpflanzen setzten er und seine Mitarbeitenden Anfang April nicht direkt in den Boden, sondern in Kokosmatten. Das einst viel kritisierte Hors-sol-System habe sich bewährt, erklärt Michael Moser. Er schmunzelt: «Heute erinnert sich nur noch die ältere Generation an die kritischen Diskussionen von damals.» Die Vorteile des erdenlosen Anbaus in Sachen Wasser- und Düngungseffizienz sowie Pflanzenschutz seien mittlerweile in breiten Kreisen anerkannt.
Im Winterhalbjahr wachsen am gleichen Ort Salate, diese dann aber im natürlichen Boden. Da das Gewächshaus hier komplett ohne Heizung auskommt, sind die ersten Wochen der ursprünglich aus den Tropen stammenden, wärmeliebenden Auberginen im April jeweils besonders spannend. Ein guter Start entscheidet über eine erfolgreiche Ernte, die bis in den Oktober hinein erfolgt. Für die diesjährige Kampagne sieht es gut aus: Der April war bezüglich Sonnenscheindauer und Temperaturen aussergewöhnlich optimal für das Wachstum der auch als «Eierfrucht» bekannten Kultur.
Michael Moser führt eine überbetriebliche Zusammenarbeit mit Adrian Tschachtli, welcher einen Biobetrieb bewirtschaftet. Im Freiland kommen so Anbauflächen von 35 Hektaren mit Biogemüse und 55 Hektaren mit konventionellem Gemüse zusammen. Dazu kommen 5 Hektaren konventionelle Gewächshäuser.
Während des ganzen Jahres sind 20 Leute im Betrieb beschäftigt, während der Saison kommen 30 zusätzlich dazu. Die Vermarktung geschieht zum grössten Teil über den Handel. Im Hofladen und über einen Onlineshop erfolgt die Vermarktung eines kleinen Anteils des Gemüses direkt.
Mehr Informationen: www.gemueseabhof.ch
Fünf Personen ernten und pflegen die Auberginen im Gewächshaus. Das Personal kommt aus Mazedonien und Portugal und ist teilweise seit mehreren Jahren in der Kultur unterwegs. Es kennt die Tücken des Anbaus. Zu diesem noch frühen Zeitpunkt Ende Mai sind die Pflanzen erst etwa einen Meter hoch. Bis im Herbst wachsen sie an Juteschnüren bis fast unter die Gewächshausdecke in drei Meter Höhe herauf. Dabei bildet die Pflanze laufend neue Blüten, die sich dann zu Früchten entwickeln und so eine permanente Ernte während mehrerer Monate ermöglichen.
Die Aubergine unterscheidet sich von den anderen in der Schweiz typischen Gewächshauskulturen Gurken und Tomaten darin, dass sie temperaturmässig nach oben kaum eine Grenze kennt. «Je heisser, desto besser», sagt Michael Moser. Deshalb kommt das Gewächshaus mit deutlich weniger teurer und komplizierter Technologie aus, die in anderen Kulturen die Temperaturen reguliert. Anspruchsvoller sei die Aubergine dafür beim Pflanzenschutz.
Denn Insekten lieben Auberginen. Manche spezialisierte Tomaten- und Gurkenbetriebe würden deshalb gar einzelne Auberginen nur als Fangpflanzen kultivieren, erklärt der Gemüsegärtner. Deshalb sei die Überwachung des Bestandes eine tägliche Aufgabe, wofür das Personal geschult sei. So ist die portugiesische Mitarbeiterin fündig geworden. Sie führt uns durch die Auberginenreihen zu einem Befallsherd mit jungen Kartoffelkäfern, einem der schlimmsten Schädlinge in Auberginen. Früher wäre dies ein Fall für den Einsatz eines klassischen Insektizides gewesen. Heute reguliert ein auch im biologischen Anbau zugelassenes Bakterienpräparat die Larven des Kartoffelkäfers.
Ein neueres, noch ungelöstes Problem sind seit ein paar Jahren Wanzen. Die Bekämpfung von häufig auftretenden Läusen und Spinnmilben hingegen übernehmen Nützlinge, deren Habitat allerdings auch gepflegt sein muss. Die Raubmilbe Amblyseius californicus beispielsweise muss zum Start mit einem Pulver zusätzlich gefüttert werden. So lange, bis in den Kulturen genug «Nahrung» vorhanden ist, um den Bestand aufrechtzuerhalten. Es habe ein paar Jahre gedauert, bis sich die ideale Zusammensetzung von Nützlingen herauskristallisiert hatte. Vor 15 Jahren waren für die Schädlingsbekämpfung noch wöchentliche Spritzungen mit chemischen Pflanzenschutzmitteln nötig. Heute ist Michael Moser froh, dass er nur noch im äussersten Notfall auf diese zurückgreifen muss.
Die Aubergine kommt ursprünglich aus den Tropen und zählt zu den Nachtschattengewächsen. Am bekanntesten sind bei uns die violett-purpurfarbenen Sorten. Allerdings gibt es eine Vielzahl von andersfarbigen Sorten, die von Direktvermarktern im kleinen Rahmen produziert werden.
In Schweizer Gewächshäusern wuchsen im Jahr 2025 auf knapp 30 Hektaren Auberginen, davon waren 8,4 Hektaren biologisch zertifiziert. Die Hauptanbaugebiete sind in der Westschweiz und im Tessin. Die Produktionsmenge im letzten Jahr betrug rund 4’100 Tonnen. Knapp 8’700 Tonnen wurden zusätzlich hauptsächlich aus Spanien und Italien importiert.
Auberginen liegen in der Schweiz im Trend. In den vergangenen zehn Jahren nahmen die verkauften Mengen um über ein Drittel zu, auf insgesamt 12’800 Tonnen im Jahr 2025. Davon kamen allerdings nur etwas über 4’000 Tonnen aus Schweizer Gewächshäusern. Es gäbe also noch Potential für andere Gemüsebetriebe. Zudem gelten sie im Unterschied zu Gurken oder Tomaten im Handel nicht als «Kampfkultur» mit entsprechendem Preisdruck. Die Auberginen aus Kerzers finden zu anständigen Marktpreisen problemlos Absatz, der über Gemüsehandelsbetriebe im Seeland erfolgt.
Michael Moser hat eine Vermutung, weshalb nicht mehr seiner Kolleginnen und Kollegen in den Auberginenanbau einsteigen: «Dieser verlangt trotz allem spezielle äussere Bedingungen und ein gewisses Knowhow.» Dabei profitiert die «Eierfrucht» vom Schweizer Grenzschutzsystem, welches den einheimischen Anbau während der Saison vor günstigeren Importen schützt. Importiert wird dabei nur, wenn zu wenig einheimische Ware vorhanden ist. «Nur dank dieser Regelung lohnt sich die Produktion für uns», sagt Michael Moser. Trotz vermeintlichem Boom hat er die Anbauflächen in diesem Jahr etwas reduziert. Es ist eine Konsequenz von eher anspruchsvollen letzten Anbaujahren. «Fehlt das Licht wie im Jahr 2024, fehlt Ende Jahr ein halber Meter Pflanze und damit Ertrag», erklärt er. So beobachtet er nun gespannt, ob sich die prophezeite langfristige Wetterprognose mit einem heissen Sommer bewahrheitet. Möglich, dass er dann im Folgejahr seine Anbaufläche wieder etwas ausdehnt.
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