Salz unter Druck: Umwelt, Bohrfelder und Streit ums Monopol

Salzland Schweiz – Teil 2: Schweizer Salz steht nicht nur für Versorgungssicherheit, sondern auch für Zielkonflikte. Auftausalz belastet Umwelt und Gewässer, neue Bohrfelder stossen auf Widerstand und das Salzregal bleibt politisch umstritten. Gleichzeitig planen die Schweizer Salinen mit grossen Investitionen die Versorgung des Landes bis 2075.
Zuletzt aktualisiert am 1. Juni 2026
von Harry Rosenbaum
7 Minuten Lesedauer
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Am Standort der Saline Riburg ist ein Neubau geplant mit modernen, energieeffizienten und wirtschaftlichen Anlagen. (saline.ch)

Das weisse Gold ist nicht immer Gold wert, denn es führt auch zu Konflikten – beispielsweise beim Einsatz von Auftausalz. Der Umweltschutz ist herausgefordert, wenn beim Enteisen von Verkehrsflächen beispielsweise auf Autobahnen Salz grossräumig gestreut wird. Aber auch die Erschliessung neuer Salzbohrfelder an den Standorten der Salinen kann zu Widerstand führen. Vor allem die angrenzende Wohnbevölkerung fühlt sich dadurch beeinträchtigt. Und zu guter Letzt wird seit Jahren am «Salzregal» gerüttelt, weil es den freien Salzmarkt in der Schweiz verhindert.

Auftausalz zwischen Verkehrssicherheit und Umweltschutz

Wird es Winter und fallen die Temperaturen auf unter null Grad, steigt auf Strassen und Gehwegen das Glatteisrisiko. Landesweit fährt die grosse Flotte der Streufahrzeuge aus und bepudert die wichtigen Verkehrsflächen mit Auftausalz. Unbestritten ein probates Mittel um die Gefahren, die aus der Kälte kommen, zu bannen. Pro Natura bezweifelt nicht, dass damit viele Unfälle verhindert werden können, ruft aber jedes Jahr in Erinnerung, dass bei dieser Art von Mobilitätssicherung viele andere Bereiche grossen Schaden erleiden. So beispielsweise die einheimischen Pflanzen. Bis auf einzelne salztolerante Arten würden sie kein Salz im Boden vertragen.

Mit dem Schmelzwasser jedoch gelange Auftausalz in grossen Mengen in die Erde. Dieser Überschuss führe zum Absterben der feinen Wurzelhaare. Dadurch könnten die Pflanzen kein Wasser mehr aufnehmen und trockneten in der Folge aus. Auch Gewässer und ihre Ökosysteme würden durch die hohen Salzkonzentrationen stark beeinträchtig, heisst es bei den Naturschützerinnen und Naturschützer weiter. Laut Pro Natura gibt es jedoch alternative Auftaumittel, die aber nicht ganz ohne Schäden anzurichten, eingesetzt werden könnten. Genannt werden Holzschnitzel, die nur bei grossen Schneemengen sinnvoll anwendbar seien. Das Problem: Die Schnitzel verstopften beim Abtauen Wasserkanäle. Auch Zucker liesse sich als Streumittel einsetzen, jedoch nur bei geringen Schneemengen oder mit einer Salzmischung. Als aktive Massnahme mit Wirkung empfiehlt Pro Natura selber Hand anzulegen und den Schnee möglichst rasch wegräumen. Damit könne das Glatteisrisiko eingeschränkt werden, ohne die Umwelt zu belasten.

Auftausalz sei heute im Winterdienst ein ökologisch sinnvolles Enteisungsmittel, heisst es bei den Schweizer Salinen. Der Einsatz sei in den letzten Jahren durch das Diktat der Ökonomie und Ökologie wesentlich verbessert worden. Feuchtsalztechnik, Infrarot- und EDV-gesteuerte Streutechnik, Vernetzung der Diagnose über den Strassenzustand, Verbesserung der Wetterinformation und Optimierung der Einsatzplanung würden dazu beitragen. Das Konzept des «differenzierten Winterdienstes» setze klare Prioritäten bei Hochleistungsstrassen und gefährlichen Strecken. Wo es verantwortbar sei, würde auf die Schwarzräumung verzichtet. Je nach Witterung würden nur noch 5 bis maximal 20 Gramm Salz pro Quadratmeter gestreut, heisst es bei den Schweizer Salinen weiter.

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Wird es Winter und fallen die Temperaturen auf unter null Grad – die wichtigen Verkehrsflächen werden dann mit Auftausalz bestreut. (saline.ch)

Erschliessung neuer Bohrfelder bleibt konfliktanfällig

Weiteres Konfliktpotential birgt auch die Erschliessung neuer Bohrfelder. Neue Bohrfelder müssen erschlossen werden, wenn bestehende Solen ausgeschöpft sind. Auch wenn dies an den traditionellen Standorten der Salinen geschieht, gibt es Konflikte, meistens mit der Wohnbevölkerung und dem Naturschutz.

In Muttenz wehrten sich Bevölkerung und Naturschutzorganisationen erfolgreich gegen das geplante Bohrfeld Rütihard. Es liegt einige Hundert Meter vom bisherigen Abbaugebiet entfernt. In einer Petition forderten 6’200 Personen die Streichung der Rütihard, weil es sich dabei um ein Naherholungsgebiet handelt. Befürchtet wurden Lärmimmissionen und Umweltschäden durch das Bohren. Zudem rechneten die Bäuerinnen und Bauern in der Gegend nach dem Salzabbau mit der Entwertung ihres Ackerlandes. Aufgrund des starken Widerstandes aus der Bevölkerung beschlossen die Schweizer Salinen im Juni 2020 das Projekt zur Salzförderung vorerst nicht mehr weiterzuverfolgen. Im April 2023 wurde entschieden, die Rütihard im Konzessionsgebiet zu streichen.

Auch bei der Planung eines neuen Bohrfeldes in der Saline Riburg reagierte ein Teil der benachbarten Wohnbevölkerung mit heftiger Ablehnung. Befürchtet wurden durch die Bohrtätigkeit Schäden an den Liegenschaften und eine generelle Abwertung der Häuser. Vonseiten der Schweizer Salinen hiess es, dass bei heutigen Salzförderungstechniken keine Schäden entstehen würden. Zudem enthält die Konzessionsverlängerung ein neues Überwachungs- und Nachsorgekonzept, das im Konzessionsvertrag festgeschrieben ist. Es regelt über das Konzessionsende im Jahr 2075 hinaus die Überwachungs-, Dokumentations- und Nachsorgepflichten der Schweizer Salinen.

Fragen an Frank Butz, Kommunikationsleiter der Schweizer Salinen

Planen die Schweizer Salinen neben Schweizerhalle, Riburg und Bex weitere Standorte für Salinen?
Frank Butz: Nein, weitere Standorte sind nicht geplant. Jedoch wird die Saline Riburg ab 2026 bis 2032 neu gebaut. Am Standort Schweizerhalle verbleiben über 2032 hinaus der Verwaltungsstandort der Schweizer Salinen mit den zentralen Diensten, dem Tourismusbereich sowie mit der Verwaltung. Die Produktion in Bex bleibt bestehen.

Das Salzregal macht Salz in der Schweiz gewissermassen zur Staatssache. Es sichert den Schweizer Salinen das Monopol auf die Gewinnung, Verarbeitung und den Vertrieb aller Salzsorten. Lässt sich diese Marktbeherrschung weiterhin rechtfertigen?
Fank Butz: Das Salzregal ist das Hoheitsrecht der Salzproduktion und des Salzhandels. Dieses besitzen in der Schweiz die Kantone. 1973 schlossen die Schweizer Kantone einen Konkordatsvertrag, in dem sie den Salzhandel in der Schweiz vereinheitlichten. 1979 trat auch der Kanton Jura und 2014 der Kanton Waadt diesem Konkordat bei. Mit der Umsetzung des Vertrags mit all seinen Rechten und Pflichten beauftragten die Kantone die Schweizer Salinen.

Salz könne zum Teil im Ausland günstiger eingekauft werden als in der Schweiz, heisst es. Das Salzregal respektive die damit einhergehende Importregelung, die eine Begrenzung für den Rohstoff Salz festschreibt, ist gelockert worden. Demzufolge würde beispielsweise mehr Speisesalz in die Schweiz importiert. Diese Tendenz sei steigend, heisst es. Und weiter: Es könnte in diesem Zusammenhang für Speisesalz inländischer Provenienz Konkurrenz aus dem Ausland entstehen. Was halten Sie davon?
Fank Butz: Wir können dies nicht bestätigen. Salzimporte sind im Salzregal geregelt und die Importregelungen wurden bereits in den vergangenen Jahren liberalisiert. Generell gilt: Beim Import für den privaten Gebrauch besteht eine Freimenge von 50 Kilogramm. Bei grösseren Mengen und je nach Salzprodukt stellen die Schweizer Salinen eine Importbewilligung aus. Durch die liberale Anwendung des Salzregals auf Speisesalzspezialitäten wird die Angebotsvielfalt für Konsumentinnen und Konsumenten garantiert und es besteht ein freier Markt in diesem Marktsegment. So müssen sich beispielsweise auch die von den Schweizer Salinen hergestellten Spezialitäten im freien Markt bewähren und sind nicht durch das Regal geschützt.

Exportieren die Schweizer Salinen Salz?
Frank Butz: Für die Schweizer Salinen hat die Erfüllung ihres Versorgungsauftrags Priorität. Ein Export mit nennenswerten Volumen findet nicht statt. Wir beschränken uns bei Lieferungen an ausländische Kunden heute auf Minimalmengen der Marke «Sel des Alpes», die weniger als 1 Prozent der Jahresproduktion ausmachen. Gelegentlich exportieren wir Aushilfslieferungen an befreundete Salinen, die uns bei Bedarf auch aushelfen würden.

Forderung zur Aufhebung des Salzregals

Die Grünliberale Partei der Schweiz (GLP) machte in den letzten Jahren in einigen Kantonsparlamenten erfolglose Vorstösse für die Aufhebung des Salzregals. Die Gründe dafür waren unter anderem die Verhinderung eines freien Marktes bei der Salzbeschaffung und beim Handel mit dem weissen Gold. Vor allem würden durch das Regal Importe verunmöglicht. Das sei störend, weil Salz teilweise im Ausland zu günstigeren Preisen beschafft werden könne als in der Schweiz. Vor allem Auftausalz, das im Winter wichtig für die Mobilität in der Schweiz sei, wäre wegen dem Monopol der Schweizer Salinen teuer für die Gemeinden und könne bei einem harten Winter für diese hohe Kosten verursachen. Ohne Salzregal jedoch würde die Möglichkeit bestehen, billigeres Salz aus dem Ausland zu beschaffen.

«Die Abschaffung des Salzregals ist seit Jahren eine Forderung der GLP», erklärt Pascal Tischhauser, Co-Generalsekretär der GLP Schweiz. «Wir setzen uns weiterhin dafür ein, auch hier mehr Wettbewerb zu schaffen und es sollte nicht ausser achtgelassen werden, dass Schwarzräumungen und das Salzstreuen aus ökologischen Gründen zu hinterfragen sind und nur mit Zurückhaltung erfolgen sollten», ergänzt er.

Schweizer Salinen planen Salzversorgung bis 2075

Der Salzvorrat im Boden der Schweiz wird noch für Jahrhunderte ausreichen, sagen Fachleute. Vorerst aber konzentrieren sich die Schweizer Salinen auf die nächsten 50 Jahre. Mit der Verlängerung der Abbaukonzessionen in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft verfügen sie über Planungssicherheit bis ins Jahr 2075. Das Unternehmen stellt die Zukunft der Salzversorgung der Schweiz auf diese Grundlage. Im Vordergrund stehen dabei die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Aufgrund der Verlängerung der kantonalen Konzessionen wollen sich die Schweizer Salinen unter dem Projektnamen «SalinaFutura» weiterentwickeln. Dies soll einerseits mit dem Neubau am Standort Riburg geschehen, wo moderne, energieeffiziente und wirtschaftliche Anlagen geplant sind. Andererseits soll auch die Solegewinnung in den Konzessionsgebieten Aargau und Basel-Landschaft eine tragende Rolle spielen. Der Entscheid für einen Neubau steht vor dem Hintergrund, dass die bestehenden Anlagen in Schweizerhalle und Riburg am Ende ihres Lebenszyklus angekommen sind. Für den Neubau der Saline Riburg investiert das Unternehmen rund 280 Millionen Franken. Die Erneuerung erfolgt während des laufenden Betriebs, sodass die Salzversorgung jederzeit gewährleistet bleibt. Die Planungs- und Bauphase erstreckt sich von 2026 bis 2032.

Zur Deckung des Salzbedarfs werden sämtliche aktive und in Planung befindliche Solefelder in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft benötigt. Das gilt auch für Gebiete, die als Ersatz des gestrichenen Solefelds Rütihard zu einem späteren Zeitpunkt in das Konzessionsgebiet aufgenommen werden. Für den Transport der Sole zur Saline Riburg wird eine unterirdische Transportleitung von der Saline Schweizerhalle zur Saline Riburg geplant.

«Mit den geplanten Massnahmen und Investitionen in die Zukunft bekräftigen die Schweizer Salinen ihre Verantwortung für eine zuverlässige Salzversorgung und eine nachhaltige Entwicklung der heimischen Produktion», heisst es beim Unternehmen.