Nutztiere abschaffen? «Dann wird die Ernährung ineffizienter»
Wer Nutztiere abschafft, macht die Nahrungsproduktion ineffizienter, nicht nachhaltiger. Das sagt Stephan Schneider, ...
Das Beispiel des Kantons Bern zeigt die Entwicklung des Anbaus und der Produktion von Biowein im vergangenen Jahrzehnt besonders gut auf. Von den insgesamt rund 250 Hektaren Reben im Kanton werden aktuell rund 100 Hektaren nach den Richtlinien von Bio Suisse bewirtschaftet. 2015 waren es gerade einmal 10 Hektaren. Kurz zusammengefasst wird im Bioweinbau die Biodiversität gezielt gefördert und es werden keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verwendet. Dabei setzen die Biowinzerinnen und Biowinzer auf robuste und widerstandsfähige Sorten.
Leicht höhere Temperaturen sind eher positiv für den Weinbau, wobei auch Reben an anhaltender Trockenheit leiden. Trotzdem sind trockene Jahre gerade beim Bioweinbau eher ein Plus, sagt Pia Riesen, Leiterin der Fachstelle Rebbau des Kantons Bern: «Mit der Trockenheit ist es für Biobetriebe doch einfacher, weil der Krankheitsdruck dann weniger gross ist – wohingegen die Bekämpfung von Echtem und Falschem Mehltau in feuchten Jahren mit den Biospritzmitteln eine grosse Herausforderung ist.»
Im Biolandbau können Mehltauerkrankungen mithilfe von Kupfer und Schwefel bekämpft werden. Kupferionen dringen dabei in die Pilzzellen ein und stören lebenswichtige Enzymreaktionen darin, was zu einer Unterbrechung der Infektion der Pilzspore führt. Schwefel bildet auf den Blättern Schwefeldioxid, welches das Pilzwachstum hemmt. Tatsächlich könne man sagen, je trockener die Bedingungen, desto besser die Voraussetzungen für den Bioweinbau, so Pia Riesen.
Gemäss Bio Suisse und dem Bundesamt für Statistik (BFS) wurden 2025 rund 21,5 Prozent der gesamten Rebbaufläche in der Schweiz biologisch bewirtschaftet. Die grössten Anteile der gesamtschweizerischen Biofläche hatte der Kanton Waadt mit 29 Prozent, vor den Kantonen Wallis mit 20 Prozent und Neuenburg mit 14 Prozent. Die grössten prozentualen Anteile an Biorebflächen bei Kantonen mit Gesamtflächen von über 50 Hektaren Rebbau weisen die Kantone Freiburg, Neuenburg und der zuvor angesprochene Kanton Bern auf.
Am 30. Juni 2026 wurden im «Haus des Bielersee Weines» in Twann die besten Berner Weine 2026 gekürt: Für den Wettbewerb waren 162 Weine von 33 Weinproduzentinnen und Weinproduzenten nominiert.
Berner Regierungsrat Raphael Lanz betonte zu Beginn der Auszeichnungen den Wert dieses flüssigen Kulturguts und die erfolgreiche Entwicklung des Berner Weins trotz des Rückläufigen Alkoholkonsums in der Schweiz. Zum ersten Mal wurde eine Biowein-Kategorie rangiert. Die Gewinnerin dieser Kategorie ist Anne-Claire Schott aus Twann. Sie wurde ausserdem zur Berner Winzerin des Jahres 2026 ausgezeichnet. Damit wurde zum ersten Mal überhaupt eine Frau dafür ausgezeichnet.
Weitere Gewinnerinnen und Gewinner sind:
Die Pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, kurz PIWI, erleben in der Schweiz ebenfalls einen Aufschwung – wenn auch auf tieferem Niveau. Im Jahr 2025 beträgt der Anteil an PIWI-Flächen 4,2 Prozent der gesamten schweizerischen Rebbaufläche. Diese Sorten finden sowohl im Bio wie auch im Nicht-Bio-Bereich Anwendung.
Sie bezeichnen das Ergebnis jahrzehntelanger Züchtungsarbeit, bei der die geschmackliche Qualität der europäischen Reben mit der Robustheit der amerikanischen Wildreben kombiniert werden. Dadurch kann Zeit und Geld bei den Winzerinnen und Winzern gespart werden, da der Einsatz von Pflanzenschutzmittel durch die erhöhte Widerstandskraft massiv gesenkt werden kann.
Während die Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2022 noch rund 237 Millionen Liter Wein konsumierten, sank diese Zahl gemäss dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im Jahr 2025 um knapp 11 Prozent auf 211 Millionen Liter. Der Rückgang beim ausländischen Weinkonsum liegt dabei leicht höher mit 12 Prozent – beim Schweizer Wein sind es rund 10 Prozent weniger.
Der Trend ist aber nicht nur im Weinkonsum zu beobachten. Im Allgemeinen trinken die Schweizerinnen und Schweizer weniger Alkohol. Im gleichen Zeitraum sank der Bierkonsum gemäss dem Schweizer Brauereiverband hierzulande von 473 Millionen Liter auf 466 Millionen. Der Pro-Kopf-Konsum sank um rund 2,6 Liter. Zu beachten gilt, dass hierbei das alkoholfreie Bier auch eingerechnet wurde – dies ist beim Wein nicht der Fall.
Alkoholfreier Wein wird zwar stark erforscht, bisher können die angebotenen Produkte allerdings nicht mit den alkoholhaltigen mithalten. Dies vor allem aus dem Grund, dass es sehr schwierig ist, den Geschmack des Weins, der stark mit dem Alkohol darin zusammenhängt, auf die Alternativen zu übertragen, respektive diesen beizubehalten, wenn durch ein zusätzliches Verfahren der Alkohol aus dem fertig gegorenen Wein entzogen wird.
Dass der Klimawandel Auswirkungen auf die gesamte Landwirtschaft hat, kann man auch dieses Jahr wieder fast überall beobachten. Die hohen Temperaturen und extrem trockenen Bedingungen machen den Ackerkulturen und dem Grünland zu schaffen und stellen die Landwirtinnen und Landwirte vor neue Herausforderungen – so auch im Weinbau.
Auch hier macht sich die Wasserknappheit bei den Reben bemerkbar. Die Bewässerung der Rebflächen wird wohl zu einem zentralen Punkt werden, damit das Wachstum der Reben und die damit verbundene Weinproduktion auch in Zukunft gewährleistet werden kann. Die Suche nach widerstandsfähigeren Sorten auch gegenüber Trockenheit wird weitergehen. Durch die gezielte Förderung der Biodiversität im Bioweinbau und die vielfältige Begrünung wird auch die Wasserspeicherung im Boden verbessert, was in trockenen Zeiten einen entscheidenden Vorteil bringen kann.
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