Zwischen Kuhstall, Gästezimmern und Gemeinderat
Sommerserie – Teil 1: Bäuerin, Agrarscout, Agrotourismusunternehmerin und Gemeinderätin. Fabienne Kappeler erfüllt vi...
Für Martial und Thomas Läser ist es eine Premiere: Am 1. August 2026 organisieren die beiden Brüder erstmals einen Brunch auf ihrem Hof, der Domaine de l’Abbaye im Kanton Genf, den sie gemeinsam führen. Ihre Eltern hatten den 1.-August-Brunch allerdings schon vor rund dreissig Jahren einmal durchgeführt. «Sie hatten damals fast 1000 Gäste, haben es aber nie wiederholt – wohl, weil der Aufwand enorm war», erzählt Martial Läser.
Die Idee zur Durchführung des diesjährigen Brunchs entstand im vergangenen Winter. Das Festival «Chouette Nature», das normalerweise gegen Ende des Sommers auf dem Hof stattfindet, legt 2026 eine Pause ein. «Trotzdem wollten wir etwas anbieten und den Besucherinnen und Besuchern unsere Produkte sowie den Hof näherbringen», so Martial Läser.
Drei Wochen vor dem grossen Tag hatten bereits rund 150 Personen ihren Platz über die Plattform «brunch.ch» reserviert. Die ersten Anmeldungen gingen sehr früh ein: «Rund zehn Interessierte meldeten sich schon bei Eröffnung des Ticketverkaufs im Februar oder März – Kollegen haben mir aber erzählt, dass die meisten Reservierungen oft erst in den letzten Tagen eintreffen», sagt Martial Läser.
Das Ziel liegt bei 350 Gästen. Die Anmeldung soll am Montag vor der Veranstaltung geschlossen werden, damit die Mengen entsprechend geplant werden können. Wer sich nicht angemeldet hat, wird grundsätzlich nicht eingelassen. «Es geht darum, die richtige Balance zu finden und keine Lebensmittel zu verschwenden», sagt Martial Läser. Und nicht zuletzt, um die Kosten zu decken.
Aktuell steckt Martial Läser noch nicht mitten in den Vorbereitungen. «Nun hält man mich sicher für ziemlich unvorbereitet», sagt er lachend. Der Landwirt ist es aber gewohnt, Anlässe auf dem Hof zu organisieren: Burgerabende, Grillfeste oder Fondue Bourguignonne mit Produkten vom eigenen Hof. Ein Dutzend Verwandte und Bekannte haben bereits ihre Hilfe zugesagt. Die fehlenden Tische leihen sich die Brüder von benachbarten Winzern aus – im Gegenzug stellen sie diesen bei deren eigenen Anlässen Material zur Verfügung.
Seit mehr als dreissig Jahren öffnen Bauernfamilien anlässlich des 1. Augusts ihre Türen und laden die Bevölkerung zum traditionellen Brunch auf ihrem Bauernhof ein. Dieser Brunch, der mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Feiertags geworden ist, entstand 1993, dem Jahr, in dem die Schweizerinnen und Schweizer die Volksinitiative «Für einen feierlichen Nationalfeiertag» angenommen haben.
Dieses Jahr veranstalten 273 Betriebe einen Brunch: 174 in der Deutschschweiz, 52 in der Westschweiz und 47 in der italienischsprachigen Schweiz. Die Anzahl der Brunchs ist seit den Anfängen der Veranstaltung zurückgegangen, spiegelt jedoch die Veränderungen in der Schweizer Landwirtschaft wider. «Was sich nicht geändert hat, ist der Wunsch der Bauernfamilien, die Bevölkerung willkommen zu heissen und einen geselligen Moment mit ihr zu teilen», freut sich Andrea Camadini, Verantwortliche für den Brunch beim Schweizer Bauernverband (SBV).
Eine ständige Weiterentwicklung
Die Liste der teilnehmenden Betriebe verändert sich jedes Jahr. Einige entscheiden sich dafür, den Brunch nur alle zwei Jahre zu veranstalten, um die Arbeitsbelastung besser zu verteilen. Andere steigen bei einem Generationswechsel oder einer Neuausrichtung aus, während regelmässig neue Betriebe dem Programm beitreten. Bern und das Tessin sind nach wie vor die stärksten vertretenen Kantone, was die Anzahl an Brunchs angeht.
Auch die Organisation der Veranstaltung wurde durch den Einsatz digitaler Tools modernisiert und die Kommunikationsplattform wurden komplett erneuert. Laut Andrea Camadini stellt die von «Schweizer Bäuerinnen und Bauern» verwaltete Buchungsplattform die wichtigste Erneuerung der letzten Jahre dar. Sie ermöglicht es den Betrieben, die Teilnehmerzahl und die benötigten Lebensmittelmengen besser einzukalkulieren. Auch wenn weiterhin einige Personen am Tag der Veranstaltung ohne vorherige Anmeldung erscheinen, was für die Organisatoren nach wie vor schwierig zu handhaben ist.
Für die Bauernfamilien halten die Auswirkungen jedoch auch nach dem 1. August noch an. «Viele Betriebe berichten uns, dass dieser Anlass es ihnen ermöglicht, ihre Stammkundschaft zu binden, den Direktverkauf auszubauen und sich bei einem neuen Publikum bekannt zu machen – auch der persönliche Austausch mit den Besuchern wird sehr geschätzt», betont Andrea Camadini.
Auch die Erwartungen des Publikums haben sich gewandelt. Über das Essen hinaus möchten viele Gäste erfahren, wie ein Bauernhof funktioniert, die Lebensmittelproduktion besser verstehen und sich direkt mit den Bauernfamilien austauschen.
Mit dem Bundesrat brunchen
Wie jedes Jahr wird auch ein Mitglied des Bundesrats am 1.-August-Brunch teilnehmen. Der gastgebende Betrieb wird von den Bundesbehörden und dem Schweizer Bauernverband unter Berücksichtigung der Region, der Betriebsart und des Jahresprogramms ausgewählt. Für die ausgewählte Familie bedeutet dieser Besuch einen zusätzlichen Organisationsaufwand und die Umsetzung von Sicherheitsmassnahmen in Absprache mit den zuständigen Behörden.
«Es ist zudem ein wichtiges Zeichen der Anerkennung für die Schweizer Landwirtschaft und ihre Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung, der Pflege der Kulturlandschaft und der Lebensfähigkeit der ländlichen Regionen», betont Andrea Camadini weiter.
Der Brunch am 1. August passt zum Weg, den Martial Läser eingeschlagen hat, seit er vor rund zwölf Jahren auf den Hof zurückgekehrt ist. Sein Bruder Thomas Läser arbeitete damals bereits mit dem Vater zusammen, zudem beschäftigte der Betrieb einen landwirtschaftlichen Angestellten. Martial Läser wollte nicht, dass seine Rückkehr diesen Arbeitsplatz gefährdet. Deshalb baute er die Verarbeitung der Produkte und den Direktverkauf aus, um ein zusätzliches Standbein zu schaffen. Heute kümmert er sich um die Verarbeitung in der Produktionsstätte, den Hofladen und den Kundenkontakt, während Thomas sich stärker auf Ackerbau und Viehzucht konzentriert.
Für den Brunch arbeiten die Brüder mit «La Clé des Champs» zusammen, einem Foodtruck, der sie bereits an ihren Abendveranstaltungen begleitet. Vom Hof stammen unter anderem die Eier, das Puffgetreide, die Müslis, das Mehl, die Kartoffeln, das Trockenfleisch und der Rinderspeck. Ein Bäcker backt aus dem Mehl verschiedene Brote. Milchprodukte sowie Genfer Früchte und Spezialitäten ergänzen das Buffet.
Die Gäste sitzen im Stall, in dem im Winter die Kühe untergebracht sind – so haben bei Regen wie bei Sonnenschein alle einen trockenen Platz. Die Besucherinnen und Besucher können ausserdem die Kühe auf der Weide und die Hühner des Betriebs beobachten.
Für die Brüder Läser geht es dabei um mehr als nur ums Essen: Mit dem Brunch möchten sie ihre Produkte bekannter machen, mit Konsumentinnen und Konsumenten ins Gespräch kommen und die Vielfalt der Genfer Landwirtschaft zeigen. Ein eigener Bereich ist dem Genfer Regionallabel «Genève Région – Terre Avenir» gewidmet.
Die Domaine de l’Abbaye wird seit vier Generationen von der Familie bewirtschaftet, umfasst 90 Hektar und ist seit rund zehn Jahren biologisch zertifiziert. Die Brüder halten dort insgesamt fast 200 Rinder – darunter rund 65 Mutterkühe mit ihren Kälbern sowie Tiere zur Mast – und knapp 1’000 Legehennen. Ausserdem bauen sie Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Ölsaaten an und produzieren Wein.
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