Emmentaler Landwirtschaft erleben

Der Bauernlehrpfad zwischen Ramsei und Zollbrück ist umfassend erneuert worden. Auf 7,3 Kilometern zeigt er, wie vielfältig, standortgerecht und nahbar Landwirtschaft im Emmental funktioniert.
Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2026
von Renate Hodel
4 Minuten Lesedauer
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Die Aussicht zeigt nicht nur die schöne Landschaft des Emmentals, sondern auch die Landwirtschaft. (rho)

Zwischen Ramsei und Zollbrück lässt sich die Landwirtschaft im Emmental ab sofort neu entdecken. Der Bauernlehrpfad, der seit mehr als 30 Jahren besteht, wurde in den vergangenen zwei Jahren umfassend erneuert und inhaltlich wie gestalterisch weiterentwickelt. Federführend war Landwirtschaft Emmental, unterstützt von einer Arbeitsgruppe sowie zahlreichen Sponsoren, Gönnern und Partnern.

Der Auslöser war einfach: Der bisherige Pfad war in die Jahre gekommen. Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik hätten sich seit der Eröffnung 1991 stark verändert, sagte Projektleiter Heinz Kämpfer an der Eröffnung in Ranflüh. Zwar sei der Pfad 2004 bereits einmal aufgefrischt worden, doch auch seither habe sich wieder vieles bewegt.

Ein Projekt mit Vorgeschichte

Ganz neu ist die Idee nicht: Bereits 1991 war der Bauernlehrpfad von einer innovativen Gruppe aus dem Umfeld der damaligen Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL ins Leben gerufen worden. Beat Gerber, Präsident von Landwirtschaft Emmental, erinnerte daran, dass schon die erste Version viel Pioniergeist brauchte: «Aber die beste Idee nützt ja nichts, wenn man sie nicht umsetzt.»

Dass der Pfad nun erneut angepackt wurde, hatte laut Heinz Kämpfer auch mit einer Portion gekränktem Stolz zu tun. An einem Tourismusgipfel sei er auf den Zustand des Weges angesprochen worden: Entweder erneuern – oder abbauen. «Das hat mich doch ein wenig im Stolz verletzt», sagte Heinz Kämpfer. Für ihn war klar: «Das darf nicht passieren, wir müssen das anpacken.»

In der Folge entstand ein Projektteam, eine HAFL-Studentin erarbeitete eine Semesterarbeit, der Landwirtschaftliche Informationsdienst unterstützte bei Konzept und Kostenschätzung, später kamen Gespräche mit Grundeigentümern, Bewilligungsabklärungen, Signalisation und Finanzierung dazu. Möglich wurde die Umsetzung laut Kämpfer, weil viele Beteiligte am gleichen Strick zogen. «Das war für alle Beteiligten eine absolute Herzenssache», sagte er.

Vom Hof bis zur Biodiversität

Auf rund 7,3 Kilometern führt der Weg weiterhin grösstenteils zwischen Ramsei, Ranflüh und Zollbrück durch die Emmentaler Landschaft. Start und Ziel sind bequem mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar – bei den Bahnhöfen Ramsei oder Zollbrück. Elf Posten vermitteln Wissen zu Schweizer und Emmentaler Landwirtschaft, Mutterkuhhaltung, Biodiversität, Wald, Wasser, Bienen und Insekten, Tourismus, Acker- und Futterbau, Milchproduktion sowie Emmentaler Bauernhäusern.

Dabei geht es nicht nur um Informationstafeln. Der neue Bauernlehrpfad will Landwirtschaft dort zeigen, wo sie stattfindet. Mehrere Tafeln wurden deshalb an neue Standorte versetzt – etwa dorthin, wo Biodiversität direkt in der Landschaft sichtbar wird. Ernst Flückiger aus der Arbeitsgruppe betonte, die Posten seien so gestaltet worden, dass sie Schulklassen, Familien mit Kindern, Velofahrende und weitere Interessierte ansprechen. Beim Biodiversitätsposten etwa stehe man direkt neben einer artenreichen Wiese. «Die beste Biotoppflege ist eine standortgerechte Bewirtschaftung», betonte Ernst Flückiger.

«Wir wollten einen direkten Einblick ermöglichen – so kann man etwa beim Thema Milchproduktion auch gleich in einen Laufstall mit Kühen schauen», ergänzt Larissa Grossenbacher aus der Projektgruppe.

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Haben den Emmentaler Bauernlehrpfad gemeinsam eröffnet: Jürg Iseli vom Berner Bauernverband, Andreas Wyss von der Regionalkonferenz Emmental, Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband, Regierungsrätin Astrid Bärtschi, Beat Gerber von Landwirtschaft Emmental, zuständige Regierungsstatthalterin Alexandra Grossenbacher sowie Heinz Kämpfer, Larissa Grossenbacher, Hanspeter Bärtschi und Ernst Flückiger von der Projektgruppe. (rho)

Eine Brücke zwischen Stadt und Land

Für Beat Gerber liegt genau darin der Wert des Lehrpfads: Er sei informativ und zugleich erlebbar. Die Bevölkerung habe sich in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend von der Landwirtschaft entfernt, sagte er. Umso wichtiger seien niederschwellige Angebote, die erklären, was Landwirtschaft leistet. Auf dem Pfad könne man nicht nur Tafeln lesen, sondern «die Landwirtschaft eins zu eins mit allen Sinnen erleben und spüren».

Auch Regierungsrätin Astrid Bärtschi betonte bei der Eröffnung die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts. Der Bauernlehrpfad schlage «eine Brücke zwischen Stadt und Land» und zeige, wie Landwirtschaft zum Alltag gehöre. Er sei damit nicht nur ein Ausflugsziel, sondern auch ein Bildungsangebot – gerade in Zeiten von Klimawandel, Globalisierung und technischem Wandel.

Ähnlich formulierte es Alexandra Grossenbacher, Regierungsstatthalterin des Verwaltungskreises Emmental. Der Pfad verbinde die Schönheit der Landschaft mit Wissen über die Landwirtschaft und mache diese «greifbar und nahbar». Sie wünsche sich, dass auch Städterinnen und Städter ins Emmental kämen, «so, dass vielleicht auch ein Brückenschlag zwischen Stadt und Land möglich ist».

Für Familien, Schulklassen und Naturbegeisterte

Zielpublikum sind Familien, Schulklassen, Velofahrende, Wandernde und alle, die mehr über Landwirtschaft erfahren möchten. Unterwegs laden ein interaktives Quiz bei den jeweiligen Posten zum Mitmachen ein und eine Brätlistelle bietet Gelegenheit für eine Pause. Der Weg soll damit Wissen vermitteln, aber auch Begegnungen ermöglichen.

Für Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbands, ist ein solcher Lehrpfad «Gold wert». Das Interesse an Ernährung und Landwirtschaft sei in der Bevölkerung gross, gleichzeitig werde die Distanz zur landwirtschaftlichen Praxis immer grösser. «Wenn das Interesse aber da ist, ist es eine Chance, dass man sich erklären kann – gleichzeitig ist es aber auch eine Verpflichtung, dass man erklärt, was man macht», sagte Martin Rufer.

Der erneuerte Bauernlehrpfad will genau das leisten: Er zeigt die Landwirtschaft im Emmental nicht als Kulisse, sondern als lebendigen Teil der Region – mit Tieren, Wiesen, Ackerbau, Wald, Wasser, Biodiversität, Hofläden und Menschen, die diese Kulturlandschaft täglich pflegen und weiterentwickeln. Oder wie es Hanspeter Bärtschi aus der Projektgruppe formulierte: Der Pfad habe zwar eine neue Führung erhalten, aber «keinen Zentimeter an Charme verloren».