Kartoffeln stoppen das Wachstum, Rüben gehen in den Schlafmodus
Mais rollt seine Blätter ein, Kartoffelkraut wird schlaff und Zuckerrüben lassen ihre Blätter hängen. Die zweite Hitz...
Der aussergewöhnlich warme und trockene Frühling bescherte vielen Imkerinnen und Imkern eine überdurchschnittliche Frühhonigernte. Doch der erfreuliche Saisonstart täuscht: Dieselben Wetterbedingungen, die den Bienen im Frühling zugutekamen, erschweren ihnen im Sommer zunehmend das Sammeln von Nahrung.
Viele Imkerinnen und Imker konnten in diesem Jahr eine gute bis sehr gute Frühtracht ernten. Auswertungen der Imkerplattform BeeSmart zeigen, dass im Mai rund 142 Prozent mehr Honig erfasst wurde als im gleichen Monat des Vorjahres. Insgesamt wurden im Mai laut den Daten der Plattform rund 43 Tonnen Honig geerntet. Zusammen mit den Juni-Erträgen ergibt dies rund 60 Tonnen Frühlingshonig.
Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu interpretieren. BeeSmart basiert auf freiwilligen Meldungen von Imkerinnen und Imkern, und die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer wächst kontinuierlich. Eine genauere Prüfung der Daten zeigt jedoch, dass der Anstieg der Honigmenge deutlich stärker ausfällt, als allein durch mehr Meldende oder mehr erfasste Bienenvölker zu erwarten wäre. Die Daten sprechen also für einen tatsächlich aussergewöhnlich guten Saisonstart und nicht nur für einen Meldungs-Boom.
Ein Grund dafür dürfte allerdings nicht nur die gute Tracht selbst sein, sondern auch der Zeitpunkt der Ernte: Wegen der langen Trockenheit schleuderten viele Imkerinnen und Imker ihren Honig heuer bereits früher als sonst. Im Mai verzeichnete BeeSmart mit 646 Ernte-Einträgen mehr als doppelt so viele wie im Mai 2024 (314) und 2025 (354). Hintergrund war die Sorge, dass die Pflanzen bei anhaltender Trockenheit weniger Nektar produzieren und die Völker ihre Vorräte selbst wieder verbrauchen könnten. Durch die frühe Ernte, mit anschliessender Zufütterung der Bienen, liessen sich die Vorräte trotzdem sichern. Das erklärt vermutlich auch die Zahlen vom Juni: Im Verhältnis zum Wachstum der Bienenvölker fiel der Honigertrag dort minimal geringer aus als im Vorjahr, weil ein Teil der Ernte eben schon im Mai eingefahren wurde.
Die hohen Mai-Werte dürften also auf einer Kombination aus zwei Faktoren beruhen: einer aussergewöhnlich guten Frühtracht und dem vorgezogenen Erntezeitpunkt vieler Imkereien. 2026 war damit zwar ein sehr erfolgreiches Frühtrachtjahr, die Rekordwerte lassen sich wegen dieser Verschiebung aber nicht direkt mit früheren Jahren vergleichen. Wie erfolgreich die Saison insgesamt ausfällt, entscheidet sich erst mit der Sommertracht.
BeeSmart wurde von einem Konsortium aus Swisscom, Die Mobiliar und der Firma Abilium entwickelt und hat sich seither zu einer verbreitet genutzten Plattform für die digitale Verwaltung von Bienenvölkern in der Schweiz entwickelt. Rund 4'500 Imkerinnen und Imker nutzen den kostenlosen, cloud-basierten Dienst. Die Betreiber begründen den Bedarf einer solchen Plattform unter anderem damit, dass sich Klima- und Wetterbedingungen zunehmend verändern, wodurch bisherige Erfahrungswerte in der Imkerei schneller an Gültigkeit verlieren und ein laufender Zugriff auf aktuelle Beobachtungen und Zuchtmerkmale wichtiger wird.
Funktional deckt BeeSmart verschiedene Bereiche der Bienenpflege ab: Imkernde können Behandlungen, ein Medikamentenjournal und den Lagerbestand dokumentieren, Aufgaben mit Erinnerungsfunktion einrichten und über ein Varroa-Diagramm eine Prognose zum möglichen Milbenbefall eines Volkes einsehen. Ergänzend dazu hat Abilium im Rahmen von BeeSmart auch Hardware entwickelt, darunter die BeeScale und das BeePhone®, mit denen Gesundheitsdaten der Völker erfasst werden können, ohne dass die Bienenstöcke dafür geöffnet werden müssen.
Imkerinnen und Imker bezeichnen das gesamte Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau, das den Bienen zur Verfügung steht, als Tracht. Der Begriff leitet sich vom Verb tragen ab, weil die Bienen Nektar und Pollen in den Stock eintragen. Grundsätzlich wird zwischen Früh- und Sommertracht unterschieden. Die Frühtracht wird meist zwischen Mai und Juni geerntet. Sie stammt hauptsächlich aus dem Nektar von Obstbäumen, Raps, Löwenzahn und weiteren Blütenpflanzen. Der daraus gewonnene Honig wird als Blütenhonig bezeichnet.
Anschliessend folgt die Sommertracht. Sie besteht häufig zu einem grossen Teil aus Honigtau, den zuckerhaltigen Ausscheidungen verschiedener Blatt- und Rindenlausarten. Daraus entsteht der dunklere Waldhonig, der im Vergleich zum Blütenhonig meist würziger und mineralstoffreicher ist. Etwa 2/3 des Schweizer Honigs besteht aus Waldhonig, der Rest ist Blütenhonig.
Waldhonig sollte bis Ende Juli geerntet werden. Bleibt er als Wintervorrat im Bienenstock, kann sein hoher Mineralstoffgehalt bei den Bienen Verdauungsprobleme verursachen und das Risiko von Darmerkrankungen erhöhen. Die Übergänge zwischen Früh- und Sommertracht sind jedoch fliessend. Je nach Witterung, Blühverlauf und Honigtauangebot können sich Blüten- und Waldhonig vermischen. Dabei kann es vorkommen, dass sich die unterschiedlichen Zuckerarten im Honigglas mit der Zeit wieder trennen.
Wie viel Honig ein Bienenvolk produziert, hängt stark vom Wetter ab. Besonders während der Obst- und Rapsblüte entscheiden oft wenige Wochen über den Ertrag. Kälteeinbrüche verhindern Sammelflüge, während längere Trockenperioden dazu führen, dass viele Pflanzen weniger Nektar produzieren. Ideale Bedingungen herrschen bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad, trockenem Wetter, wenig Wind und viel Sonnenschein.
Der Frühling bot den Bienen nahezu ideale Voraussetzungen. Bereits der März war ungewöhnlich sonnig und niederschlagsarm. An vielen Orten stiegen die Temperaturen auf über 15 Grad, sodass die Bienenvölker früh ihre Reinigungsflüge durchführen konnten. Reinigungsflüge sind die ersten Ausflüge der Bienen nach der Winterruhe, bei denen sie ihren Kot ausserhalb des Bienenstocks absetzen – während der kalten Monate halten sie ihn zurück, um das Nest sauber zu halten. Sie sind ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Bienenvölker aktiv werden und die Saison beginnt.
Auch der April verlief schweizweit sonnig und trocken. An einigen Messstationen registrierte das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz mehr als 150 Prozent der durchschnittlichen Sonnenscheindauer der Referenzperiode 1991 bis 2020. Gleichzeitig lagen die Monatsmitteltemperaturen auf der Alpennordseite vielerorts über zehn Grad. Für die Bienenvölker begann damit eine intensive Entwicklungsphase. Die Königinnen steigerten ihre Eiablage, die Völker entwickelten sich rasch und die Imkerinnen und Imker begannen früh mit den Schwarmkontrollen. Schwarmkontrollen sind regelmässige Inspektionen der Bienenstöcke, bei denen Imkerinnen und Imker nach Schwarmzellen suchen – Anzeichen dafür, dass sich ein Volk auf eine natürliche Teilung vorbereitet. So können sie rechtzeitig eingreifen, um einen unkontrollierten Verlust eines Teils des Volkes zu verhindern.
Im Mai setzte sich dieser Trend fort. Unterhalb von 1000 Metern lag die Monatsmitteltemperatur vielerorts bei rund 15 Grad. Gegen Ende des Monats wurden auf der Alpennordseite und im Tessin Höchstwerte von über 30 Grad gemessen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bienenvölker bereits ihre grösste Volksstärke erreicht und konnten die Frühtracht weitgehend einbringen.
Nicht nur die Bienen waren früh aktiv, auch die Pflanzen entwickelten sich schneller als gewohnt. Sämtliche sieben von MeteoSchweiz beobachteten Vegetationsphasen traten im Durchschnitt 13 Tage früher ein als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Die Apfelblüte, eine wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen, begann rund zwei Wochen früher als üblich.
Auch der Löwenzahn blühte etwa zwei Wochen früher. Sein Nektar und Pollen verleihen Blütenhonig häufig eine intensive gelbe Farbe. Bei einem besonders hohen Anteil entsteht sogar sortenreiner Löwenzahnhonig. Die Lindenblüte setzte ebenfalls rund zehn Tage früher ein als im langjährigen Mittel und bot den Bienen bereits zu Beginn des Sommers eine weitere Nahrungsquelle.
Der frühe Vegetationsbeginn verlängerte die Sammelzeit der Frühtracht und sorgte dafür, dass sich mehrere bedeutende Trachtpflanzen zeitlich ergänzten. Den Bienenvölkern standen dadurch über Wochen hinweg reichlich Nektar und Pollen zur Verfügung. «Tendenziell beginnt die Blütezeit früher und die Winter sind kürzer. Oft blüht im Frühling aufgrund der warmen Temperaturen vieles gleichzeitig», sagt Sarah Grossenbacher vom Branchenverband BienenSchweiz.
Der aussergewöhnlich gute Saisonstart hatte jedoch eine Kehrseite. Als im Juni die Hitzewelle einsetzte, waren die wichtigsten Frühtrachten vielerorts bereits vorbei. Apfel, Raps und Löwenzahn hatten ihre Blüte schon Wochen zuvor abgeschlossen, wodurch das Trachtangebot deutlich zurückging.
«Je nach Region sieht man jetzt auch Weisskleefelder, die ausgetrocknet sind. Dabei wäre Weissklee für die Bienen im Sommer eine wichtige und willkommene Trachtpflanze», sagt Sarah Grossenbacher. Gleichzeitig führte die anhaltende Trockenheit dazu, dass viele Pflanzen deutlich weniger Nektar produzierten. Zu dieser Jahreszeit entsteht häufig eine sogenannte Trachtlücke, in der den Bienen nur noch wenig Nahrung zur Verfügung steht.
Steigen die Temperaturen über 30 Grad, stellen die Bienen ihre Sammelflüge teilweise ein oder verlagern sie auf die kühleren Morgen- und Abendstunden. Mit ihrem Rüssel können sie Wasser einsammeln, das sie dann tropfenweise auf die Waben verteilen.
Ein Teil der Arbeiterinnen bleibt im Stock und kühlt das Brutnest durch Fächeln konstant auf rund 35 Grad. Dadurch stehen weniger Sammelbienen zur Verfügung, was die Honigerträge zusätzlich schmälert. An heissen Tagen kommen gar nicht alle Bienen in den Stock, sie bleiben draussen im Schatten, um nicht zu überhitzen. Etwas weiteres, das Bienen tun, um den Bienenstock nicht weiter zu erhitzen, ist der «Bienenbart». Die Bienen versammeln sich vor dem Flugloch, verketten sich miteinander und hängen über dem Flugloch. Die Bienenkette erinnert vom Aussehen stark an einen Bart. Sobald die Temperaturen sinken, ziehen die Bienen wieder in den Stock hinein.
Für Imkerinnen und Imker gewinnen deshalb Hitzeschutzmassnahmen zunehmend an Bedeutung. Dazu gehören schattige Standorte, ein heller oder wenig aufgeheizter Untergrund sowie eine gute Belüftung der Behausung der Bienen. «Eine Wasserstelle mit sicherem Landeplatz sollte den Bienen ganzjährig zur Verfügung stehen, damit sie problemlos Wasser sammeln können», sagt Sarah Grossenbacher.
Neben Hitze und Trockenheit stellen auch Schädlinge die Imkerinnen und Imker zunehmend vor Herausforderungen. Besonders die Varroamilbe gilt nach wie vor als grösste Bedrohung für Honigbienen. Sie vermehrt sich in der Brut, schwächt die Bienenvölker und überträgt Viren. Ohne wirksame Bekämpfung können befallene Völker den Winter oft nicht überleben.
Die Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe ist deshalb eine der wichtigsten Arbeiten im Bienenjahr. Sie muss unmittelbar nach der Honigernte erfolgen, damit gesunde Winterbienen aufgezogen werden können. Wird Honig erst nach einer Behandlung geerntet, darf er nicht mehr als Speisehonig verkauft werden und muss als Backhonig deklariert werden. «Vor allem die erste Sommerbehandlung, die traditionell häufig mit Ameisensäure durchgeführt wird, ist zur Herausforderung geworden, weil die Temperaturen Anfang August oft zu hoch sind. Es gibt aber Alternativen mit Brutstopp und Oxalsäure – diese müssen jedoch rechtzeitig begonnen werden», sagt Sarah Grossenbacher.
Zusätzlich breitet sich in der Schweiz die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) immer weiter aus. Die invasive Art jagt Honigbienen vor den Fluglöchern der Bienenstöcke und kann den Sammelflug erheblich beeinträchtigen. Steht ein Hornissennest in der Nähe eines Bienenstandes, geraten die Bienenvölker unter Dauerstress und sammeln teilweise deutlich weniger Nahrung. Die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse beschäftigt deshalb Imkerinnen und Imker sowie die Behörden zunehmend.
Was die Bienensaison 2026 vor allem zeigt: Der Klimawandel verändert nicht nur einzelne Wetterphänomene, sondern die Verlässlichkeit ganzer Jahresverläufe. Für die Landwirtschaft als Ganzes hat das eine Tragweite, die über die Imkerei hinausgeht. Honigbienen sind nicht nur Honigproduzentinnen, sondern zentrale Bestäuberinnen für Obstbau, Rapsanbau und viele weitere Kulturen. Verschieben sich Trachtangebot und Blühzeiten der Nutzpflanzen zunehmend unregelmässig, wächst das Risiko, dass Bestäubungsbedarf und Bienenaktivität zeitlich nicht mehr zusammenpassen – mit möglichen Folgen für Ernteerträge weit über den Honig hinaus.
Für die Imkerei selbst bedeutet die zunehmende Unberechenbarkeit vor allem: Planungssicherheit geht verloren. Wo sich frühere Generationen von Imkerinnen und Imkern an groben saisonalen Faustregeln orientieren konnten, verlangt die heutige Praxis eine laufende Beobachtung der aktuellen Bedingungen und damit auch bessere Datengrundlagen, wie sie etwa digitale Plattformen liefern können.
Auch die Blattläuse sind vom Klimawandel betroffen. So konnten Forscher von Rothamsted Research, dem grössten Agrarforschungsinstitut Grossbritanniens feststellen, dass die Pfirsichblattlaus, eine der ersten erscheinenden Blattläuse des Jahres, anstatt Ende Mai, bereits Ende April erscheint. Gleichzeitig handelt sich es bei dieser Blattlausart um einen Schädling der Feldfrüchte. Denn die Läuse verbreiten Pflanzenviren und entziehen den Früchten Saft, der wiederrum als Honigtau ausgeschieden wird. Die milden Winter, die durch den Klimawandel verstärkt werden, ermöglichen es den Blattlauspopulationen, sich bereits im Winter und Frühling auszubreiten.
Wie die Sommertracht ausfällt, gilt es nun abzuwarten. «Viele Imkerinnen und Imker beginnen erst jetzt dann mit der Sommerhonigernte, somit können wir da noch keine klaren Aussagen machen. Es könnte, je nach Region und entsprechender Trockenheit sehr unterschiedlich ausfallen», sagt Sarah Grossenbacher.
Mais rollt seine Blätter ein, Kartoffelkraut wird schlaff und Zuckerrüben lassen ihre Blätter hängen. Die zweite Hitz...
Auch Nutztiere leiden unter den hohen Temperaturen im Sommer. Wie Menschen können auch sie Hitzestress entwickeln. Vo...
Die tierische Produktion in der Schweiz blickt 2025 auf ein gemischtes Jahr zurück: Mehr Milch, stabile bis leicht st...