«Ohne Ofen läuft nichts in der Zuckerfabrik»

Im letzten Herbst passierte in der Zuckerfabrik in Frauenfeld der Supergau. Der Kalkofen stieg mitten in der Kampagne aus. Die Zuckerfabrik stand lange still und das Chaos war perfekt. Nun hat die Zuckerfabrik Frauenfeld einen neuen Kalkofen angeschafft, mit dem die neue Zuckerrübenkampagne planmässig starten soll.
Zuletzt aktualisiert am 12. August 2026
von Jasmine Baumann
4 Minuten Lesedauer
20251028 LID Fachexkursion Zucker Fabrik Aarberg 07 Ewi
Inhalte dieser Seite

Am 23. November 2025 kam es in der Zuckerfabrik Frauenfeld zu einem groben Defekt am Kalkturm – in der Folge musste dort die gesamte Zuckerproduktion eingestellt werden. Ein Grossteil der Rüben wurde ausweichend nach Aarberg transportiert und dort verarbeitet. Die Kampagne zog sich in die Länge. Viele Rüben blieben lange im Boden oder an den Haufen.

Bei der Schweizer Zucker AG wurde intensiv nach einer Ersatzlösung gesucht und schliesslich gefunden. Mit der externen Zuführung von Betriebsmaterial, wie Branntkalk und flüssiges CO2, das normalerweise durch den Kalkofen selbst produziert wird, konnte das Werk in Frauenfeld noch einmal gestartet und Zuckerrübenkampagne erfolgreich zu Ende geführt werden. Die letzten Rüben wurden im Februar verarbeitet.

Über den Sommer wurde nun ein neuer Kalkofen gebaut und in den letzten Wochen fertig erstellt, damit er rechtzeitig auf die kommende Zuckerrübenkampagne im September 2026 in Betrieb genommen werden kann.

Wir haben mit Oliver Nussli, dem Geschäftsführer der Schweizer Zucker AG, über den neuen Kalkofen und die Bedeutung der Zuckerfabriken in der Schweiz gesprochen.

Interview mit Oliver Nussli

Warum wurde der Kalkofen ersetzt, ist dies wirtschaftlich sinnvoll?
Oliver Nussli: Die Analyse zu einer allfälligen Reparatur des rund 60-jährigen Kalkofens erschien wirtschaftlich als nicht sinnvoll. Deshalb hat man sich direkt für einen Ersatz entschieden. Der Kalkofen ist eine zwingende Komponente bei der Zuckerproduktion. Ohne Kalkofen könnte kein Zucker produziert werden. Bei der Wirtschaftlichkeit achten wir auch auf den Energieverbrauch. Da der neue Ofen mit Gas und nicht mehr mit Kohle befeuert wird, lässt sich damit der Ausstoss von CO2 reduzieren.

 

Hätte es keine andere Lösung gegeben?
Oliver Nussli: Nein, technisch braucht es für die Zuckerproduktion die gewünschte Kalkmilch, damit der Rohsaft gereinigt werden kann. Und dazu brauchen wir einen Ofen, in dem sich Kalk verbrennen lässt. Bei der Neubeschaffung stand lediglich zur Wahl, ob dieser mit Kohle oder Gas betrieben wird. Wir haben uns für Gas entschieden, weil dieser ökologischer betrieben werden kann.

 

Was wäre passiert, wenn die Mittel nicht da gewesen wären, den Ofen zu ersetzen?
Oliver Nussli: Wie bereits erwähnt, ist ein Kalkofen ein elementares Teil bei der Zuckerproduktion. Ohne Kalkofen könnte kein Zucker produziert werden. Es war also eine zwingende Investition. Ein Ersatz war bereits vor dem Ausfall Teil der Investitionsplanung, das heisst nur wenige Jahre später.

 

Warum braucht es zwei Zuckerfabriken in der Schweiz, wenn doch in Frauenfeld bereits ein Drittel deutsche Rüben verarbeitet werden?
Oliver Nussli: Aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen sind zwei Fabriken die beste Lösung. Dies hat auch eine Studie ergeben, die dieser Frage nachgegangen ist und bei der auch der Bund beteiligt war.

In Anbetracht der geografischen Verhältnisse sprechen zudem auch die ökologischen Werte für zwei Fabriken. Da die Rübentransporte je hälftig auf der Schiene und der Strasse erfolgen, ist es sinnstiftend im Osten und Westen der Schweiz eine Fabrik zu betreiben, um die Transportwege kurz zu halten. Zudem hat der Ausfall des Kalkofens in Frauenfeld im November 2025 gezeigt, wie wichtig es ist, auf eine zweite Fabrik ausweichen zu können.