Die Beerenanbaufläche in der Schweiz
Schweizer Beeren boomen – ein Überblick über die Anbauflächen.
Der Schweizer Obstverband (SOV) blickt optimistisch auf die diesjährige Strauchbeerenernte und rechnet insgesamt mit einer leicht höheren Menge als im Vorjahr 2025.
Brombeeren gehören, wie ihre Verwandten die Erd- und Himbeere, zu den Sammelsteinfrüchten: Jede kleine Traube der Frucht enthält einen winzigen Stein. Botanisch zählt die Brombeere damit nicht zu den klassischen Beeren, sondern setzt sich aus vielen einzelnen Steinfrüchtchen zusammen, die zu einer Sammelfrucht verwachsen sind.
Der Name geht auf das althochdeutsche «brāmberi» zurück, das so viel wie Dornbeerenstrauch bedeutet, eine Anspielung auf die stacheligen Ranken, an denen die Früchte wachsen. Ursprünglich stammt die Brombeere aus Wildbeständen, die in Hecken und an Waldrändern wuchsen. Heute wird sie in der Schweiz gezielt angebaut, häufig an Spalieren, damit die Ranken Stütze finden und die Ablese erleichtert wird. Die Sträucher bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort und nahrhaften, gut durchlässigen Boden.
Die Haupterntezeit beginnt Mitte Juli und dauert bis in den Oktober hinein. Reife Brombeeren erkennt man an ihrer tiefschwarzen, glänzenden Farbe; noch rote Früchte sind unreif und schmecken deutlich säuerlicher. In der Küche zeigt sich die Brombeere vielseitig als Konfitüre, Kompott, Likör, im Kuchen oder ganz einfach frisch zum Zmorge.
Im Gegensatz zu anderen Beeren ihrer Gattung lässt sich die Himbeere leicht vom Blütenboden ablösen: Dieser bleibt beim Pflücken an der Pflanze zurück, wodurch die charakteristische hohle Form der Frucht entsteht. Drei Viertel der kommerziell angebauten Himbeeren wachsen geschützt unter Folie, denn Nässe macht die empfindlichen Früchte anfällig für Schimmel und Fäulnis. Ein Sommergewitter kann trotzdem für einen Wachstumsschub sorgen, da kurzzeitige Feuchtigkeit und Wärme das Reifen begünstigen.
Man unterscheidet zwischen Sommer- und Herbsthimbeeren. Sommerhimbeeren wachsen im zweijährigen Trieb: Die Neutriebe werden für das zweite Jahr stehen gelassen, sodass bereits ab Juni geerntet werden kann. Bei Herbsthimbeeren dagegen schneidet man die Neutriebe nach der Ernte zurück, sodass im selben Jahr aus neuen Trieben nochmals Früchte entstehen. Das verschiebt ihre Erntezeit in den August und September und ist ein Grund, warum die zweite Ernte für den Anbau attraktiv ist, obwohl der Gesamtertrag geringer ausfällt als bei der Sommersorte.
Neben der klassischen roten Sorte gibt es auch weisse, gelbe und schwarze Himbeeren, die sich vor allem im Gehalt an Anthocyanen unterscheiden, jenen Farbstoffen, die für die intensive rote beziehungsweise schwarze Färbung sorgen. Im Handel sind sie kaum präsent, da sie empfindlicher sind, weniger Ertrag liefern und bei Konsumentinnen und Konsumenten weniger bekannt sind.
Da Himbeeren oft schon ein bis zwei Tage nach der Ernte verderben, werden sie häufig zu Saft oder Konfitüre verarbeitet oder eingefroren. Frisch schmecken sie pur oder mit Milchprodukten wie Joghurt, Quark oder Rahm; in Desserts und Torten sorgen sie für Farbe und Aroma. Geschmacklich harmonieren sie mit Erdbeeren, Johannisbeeren, Vanille, Zitronenmelisse und Salbei, aber auch mit Schokolade oder dunklen Beeren wie Brombeeren.
Ursprünglich wurde die Heidelbeere wild im Wald gesammelt, heute stammt sie fast ausschliesslich aus gezielter Zucht. Ihre Anbaufläche hat sich innert zehn Jahren verdreifacht, ein Resultat der steigenden Nachfrage. Der SOV rechnet in diesem Jahr mit einer Gesamternte von 923 Tonnen, die Haupterntezeit ab Ende Juni liefert wöchentlich über 100 Tonnen. Die Saison insgesamt reicht von Juni bis September.
Gezüchtete und wilde Heidelbeeren lassen sich an Farbe und Grösse unterscheiden: Wildbeeren sind kleiner, haben blaues Fruchtfleisch, das beim Sammeln gern Flecken hinterlässt, und schmecken intensiver und säuerlicher. Kultivierte Beeren sind grösser, milder, süsser und haben helles Fruchtfleisch. Ihren Ursprung haben die Kultursorten in Nordamerika, wo sie im frühen 20. Jahrhundert erstmals gezielt gezüchtet wurden, bevor sie auch in Europa Einzug in den kommerziellen Anbau fanden.
Ernährungstechnisch punktet die Heidelbeere mit Vitamin C, Eisen, Folsäure und Anthocyanen, denen eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird, bei gleichzeitig wenig Kalorien und viel Nahrungsfasern. In der Küche eignet sie sich für Konfitüre und Gelee ebenso wie für Smoothies, Müesli, Backwaren oder herzhafte Gerichte. Dank ihrer festen Schale lässt sie sich zudem gut einfrieren. Heidelbeeren sollte man erst kurz vor dem Verzehr waschen. Der feine weisse Reif auf der Schale ist eine natürliche Schutzschicht, die das Austrocknen verhindert; am besten lagert man sie daher trocken und ungewaschen im Kühlschrank.
Der Dialektatlas der Schweiz unterscheidet vier grosse Wortfamilien. Die erste bewahrt das ursprüngliche Bestimmungswort «Heid(el)-» in Formen wie «Heidelbe(e)r(i)», «Höibe(e)ri» oder «Häipe(e)ri». Die zweite Gruppe verkürzt dasselbe Wort zu «Heiti» oder «Hüüti». Die dritte Gruppe geht auf den Stamm «Hasel-» zurück, etwa in «Haselbeeri» oder «Häselbeier»: Gemeint ist hier aber nicht der Baum, sondern das Verb «heisle» (geifern, wie es kleine Kinder tun). Die vierte Gruppe orientiert sich schlicht an der Farbe und heisst «Blaubeeri».
Historisch waren die ungekürzten Heid(el)-Formen vor allem im nördlichen Mittelland, in der Zentralschweiz und im Wallis verbreitet, die verkürzten Formen im Westen und Südwesten und die Hasel-Varianten zwischen Appenzell und dem Seerücken. Seit den 1940er-Jahren hat sich das Bild jedoch deutlich verschoben: «Blaubeeri» breitet sich rasant aus und verdrängt in vielen Regionen die traditionellen Bezeichnungen, während sich vereinzelte Hochburgen wie das Luzerner «Höibe(e)ri»-Gebiet oder die Kurzform «Hììti» im Raum Freiburg und Berner Oberland halten. Als mögliche Gründe für den Siegeszug des «Blaubeeri» gelten der Einfluss des englischen «blueberry» sowie die Tatsache, dass die Farbe Blau für alle unmittelbar verständlich ist, während der Bezug zur «Heide» heute kaum noch jemand kennt. Die Heidelbeere hat den Deutschschweizer Ortsnamen ebenfalls Spuren hinterlassen: Flurnamen wie «Heiti», «Heitere» oder «Heitibode» im Kanton Bern bezeichnen Stellen, an denen die Sträucher wachsen.
Die Johannisbeere ist für ihren leicht säuerlichen Kick bekannt und stammt ursprünglich aus Mittel- und Osteuropa sowie Nordwestasien. Im 15. Jahrhundert begann man, die Wildbeere zu kultivieren und heute sind zahlreiche Sorten bekannt. Ihren Namen verdankt sie dem Johannistag, weil die ersten Sorten jeweils um den 24. Juni reif werden. Neben roten und weissen Johannisbeeren gibt es auch schwarze Sorten, die unter dem Namen Cassis bekannt sind.
In der Schweiz sind rote Johannisbeeren am verbreitetsten, bleiben aber eher exklusiv: Die Saison ist mit Juli bis August kurz und die Beeren müssen reif gepflückt werden, da sich ihr Geschmack nach der Ernte, anders als etwa bei Äpfeln, nicht mehr weiterentwickelt.
Johannisbeeren enthalten viel Vitamin C, Pektin, Fruchtsäure und Ballaststoffe. Die Fruchtsäure verleiht den «Meertrübeli», wie sie in der Mundart auch genannt werden, ihr herb-säuerliches Aroma. Sie ist ideal für feine Desserts, Kuchenbeläge, Gelee oder Sirup. Das enthaltene Pektin macht sie zudem zu einem natürlichen Geliermittel.
Die Jostabeere ist ein junger Neuzugang im Beerensortiment und vielen kaum bekannt. Sie wächst vor allem in Privatgärten und ist im Handel eher selten. Ihr Name verrät bereits die Herkunft: Sie ist eine in den 1950er-Jahren gezüchtete Kreuzung aus Johannisbeere und Stachelbeere, die den Ertrag und das Aroma der einen mit der Robustheit der anderen verbinden sollte.
Optisch erinnert sie an eine grosse, dunkle Johannisbeere: Deutlich grösser als ihre Verwandten und bei voller Reife tiefschwarz bis violett gefärbt. Der Strauch wächst kräftig und im Unterschied zur Stachelbeere dornenlos, was ihn pflegeleicht macht. Geschmacklich liegt die Jostabeere zwischen ihren Elternpflanzen: Mild-süss mit feiner Säure, ohne den intensiven Charakter der schwarzen Johannisbeere.
Die Hauptsaison liegt im Juli und August. Neben viel Vitamin C und Antioxidantien liefert sie auch Kalium, Eisen und Ballaststoffe. Dank ihres natürlichen Pektingehalts eignet sie sich besonders gut für Konfitüren, Sirup, Likör und Fruchtaufstriche, die von selbst eine schöne Konsistenz bekommen.
Die Stachelbeere stammt ursprünglich aus dem Himalayagebiet und wurde ab dem 14. oder 15. Jahrhundert vor allem in Klostergärten kultiviert. Ihre eigentliche Blütezeit erlebte sie im 18. und 19. Jahrhundert in England, wo innerhalb weniger Jahrzehnte über 400 Sorten gezüchtet wurden, bevor sie sich über ganz Europa verbreiteten. Heute wächst sie in nahezu allen gemässigten Klimazonen der Welt.
Botanisch ist die Stachelbeere ein sommergrüner Strauch von etwa ein bis eineinhalb Metern Höhe. Aus den gelbgrünen Blüten, die im April traubig aus den Blattachseln wachsen, entstehen mittelgrosse, runde Beeren in Farbtönen von Gelbgrün bis Rot. Die Pflanze ist ertragreich, selbstbestäubend und trägt ihren Namen wegen der kleinen Dornen an den Trieben. Sie gilt als robust, ist mehltauresistent und winterhart, wobei die frühe Blüte vor Spätfrösten geschützt werden sollte. Zudem dient sie Vögeln als Nahrungsquelle und eignet sich gut für Wild- oder Fruchthecken.
Reife Stachelbeeren halten sich im Kühlschrank rund eine Woche. Roh schmecken sie nur vollreif mundig, sonst dominiert die Säure. Reif geerntet weisen sie, nach Tafeltrauben, den höchsten Zuckergehalt aller heimischen Beeren auf, kombiniert mit Wein-, Apfel- und Zitronensäure, die für den angenehmen Geschmack sorgen und die Verdauung fördern. Dank ihres Pektingehalts eignen sie sich für Konfitüren und Gelees, machen aber auch als Belag auf Kuchen und Torten eine gute Figur. In England wird aus ihnen sogar Wein hergestellt. Eine Braunfärbung beim Verarbeiten ist rein optisch und beeinträchtigt weder Geschmack noch Haltbarkeit. Bemerkenswert ist zudem ihr hoher Siliziumgehalt, der höchste aller heimischen Beeren. Der Körper braucht Silizium für den Aufbau fester, stabiler Gefässe.
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