«Strategie beginnt beim Rohstoff»

Christoph Zweifel über Rohstoffsicherheit, Verantwortung gegenüber Schweizer Bauern und die Zukunft eines Familienunternehmens.
Zuletzt aktualisiert am 22. April 2026
von Martina Graf
5 Minuten Lesedauer
Zweifel Chips Snacks AG CEO Christoph Zweifel Zvg Zweifel Chips & Snacks AG

Seit bald 70 Jahren prägt Zweifel Chips & Snacks AG den Schweizer Snackmarkt. Rund 300 Schweizer Landwirte liefern die Kartoffeln für die Chipsproduktion. Jährlich verarbeitet das Unternehmen etwa 27’000 Tonnen Rohstoff. «Auf einem Fussballfeld wären das über zwanzig Meter hoch gestapelte Kartoffeln», so CEO Christoph Zweifel. Eine Menge, welche die Dimension der Partnerschaft mit der Landwirtschaft deutlich macht.

Für Christoph Zweifel ist diese Verbindung zur Landwirtschaft weit mehr als eine Lieferkette: Sie ist Teil der strategischen Identität des Unternehmens. «Das wichtigste Schlagwort für uns ist Swissness», sagt Christoph Zweifel und ergänzt: «Wir haben seit Bestehen des Unternehmens konsequent auf Schweizer Rohstoffe gesetzt.»

Verantwortung gegenüber der Landwirtschaft

Mit dieser engen Zusammenarbeit geht für Christoph Zweifel auch Verantwortung einher. Als einer der grössten Abnehmer von Industriekartoffeln in der Schweiz weiss das Unternehmen um seine Rolle in der Wertschöpfungskette.

Die enge Zusammenarbeit mit Schweizer Produzentinnen und Produzenten gehört deshalb zum Kern der Unternehmensstrategie. Gleichzeitig ist sie Ausdruck einer langfristigen Perspektive: Die Zweifel Chips & Snacks AG zählt zu den grössten Abnehmern von Industriekartoffeln in der Schweiz. Bis 2032 soll diese Menge zudem weiter steigen. Das Unternehmen rechnet damit, die Marke von 30’000 Tonnen Schweizer Kartoffeln zu überschreiten.

«Wir gehören zu den drei grössten Abnehmern von Industriekartoffeln in der Schweiz», erklärt Christoph Zweifel. «Wenn wir strategische Änderungen machen würden, müssten wir das frühzeitig kommunizieren, weil das für die Bauern langfristige Auswirkungen hätte», erläutert er weiter.

Gleichzeitig bleibt das Unternehmen ein unabhängiger Marktakteur. Die Grenze der Verantwortung sei dort erreicht, wo unternehmerische Entscheidungen getroffen werden müssen. «Am Ende sind wir ein unabhängiges Unternehmen, das die besten Rohstoffe in der besten Qualität beschaffen muss», sagt Christoph Zweifel, «wenn möglich aus der Schweiz.»

Im langfristigen Durchschnitt stammen gemäss Christoph Zweifel rund 90 Prozent der verarbeiteten Kartoffeln aus der Schweiz. Nur etwa zehn Prozent müssen importiert werden, meist aus Deutschland, Frankreich oder Belgien.

Rohstoffe als strategischer Faktor

Klimawandel, extreme Wetterereignisse und Ertragsschwankungen stellen auch für die Snackindustrie ein Risiko dar. «Rohstoffsicherheit ist eine unserer wichtigsten Herausforderungen», sagt Christoph Zweifel. Kartoffeln reagieren besonders sensibel auf klimatische Bedingungen. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen mehrere schwierige Ernten erlebt. «Wir haben in den letzten Jahren sehr durchzogene Ernten gehabt», erklärt Christoph Zweifel. «Erst letztes Jahr konnten wir wieder vollständig auf Schweizer Kartoffeln zurückgreifen», ergänzt er.

Um solche Risiken zu reduzieren, arbeitet das Unternehmen eng mit Produzentenorganisationen und Forschungspartnern zusammen. «Wir sind regelmässig auf Versuchsfeldern mit neuen Kartoffelsorten unterwegs», so Christoph Zweifel. «Wir schauen, welche Sorten resistenter sind gegen Hitze, Nässe oder Schädlinge», so der CEO weiter.

Um Risiken abzufedern, lässt das Unternehmen zudem bewusst mehr anbauen als tatsächlich benötigt wird. «Wir lassen etwa zehn Prozent mehr Kartoffeln anbauen, als wir budgetiert haben», sagt Christoph Zweifel, «das ist unsere eigene Risikoabsicherung.»

Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette

Neben der Rohstoffsicherheit spielt auch Nachhaltigkeit eine immer grössere Rolle in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Die Zweifel Chips & Snacks AG hat sich verpflichtet, langfristig klimaneutral zu werden. «Wir haben eine klare Nachhaltigkeitsstrategie und wollen bis 2040 fossilfrei produzieren», sagt Christoph Zweifel.

Der grösste Teil der Emissionen entsteht allerdings nicht in der Produktion selbst, sondern in der vorgelagerten Wertschöpfungskette, etwa beim Kartoffelanbau oder bei Düngemitteln.

«Der grösste Teil unserer Emissionen liegt im sogenannten Scope 3», erklärt er und ergänzt: «Das betrifft vor allem Kartoffeln und Rapsöl.» Scope 3 umfasst alle indirekten Treibhausgasemissionen, die in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen, aber nicht unter dessen direkter Kontrolle liegen. Deshalb arbeitet das Unternehmen eng mit Partnern zusammen, etwa bei Projekten zu nachhaltiger Bodenbewirtschaftung oder CO₂-ärmeren Düngemitteln.

Langfristig erwartet Christoph Zweifel auch Veränderungen auf Konsumentenseite. Herkunft und Produktionsbedingungen würden zunehmend als Kaufkriterien wahrgenommen.

Snacking als wachsender Markt

Trotz der Diskussionen über gesunde Ernährung sieht Christoph Zweifel die Snackbranche langfristig im Wachstum. Entscheidend sei die Rolle von Snacks im veränderten Konsumverhalten. «Wir sind kein Grundnahrungsmittel, sondern ein Genussmittel», sagt er. «So soll man uns auch konsumieren», betont er.

Zugleich verändert sich die Produktpalette: Neben klassischen Chips entwickelt das Unternehmen zunehmend alternative Snackprodukte. «Wir haben mittlerweile auch Produkte auf Erbsenbasis oder mit hohem Proteingehalt», erklärt Christoph Zweifel. «Unser Ziel ist, dass wir die ganze Bandbreite vom Genuss bis zum bewussteren Snacking abdecken können», erläutert er weiter.

Der Trend zum «Snacking rund um die Uhr» verstärke diese Entwicklung. «Frühstück, Mittagessen und Abendessen verschwinden zunehmend als feste Struktur», sagt Christoph Zweifel, «die Menschen essen heute eher rund um die Uhr und da spielt Snacking eine immer grössere Rolle.»

Wachstum mit Schweizer Produktion

Trotz internationaler Expansion bleibt die Produktion klar in der Schweiz verankert. Christoph Zweifel erteilt einer Verlagerung ins Ausland eine klare Absage. «Wir sind in der Schweiz gross geworden und bleiben hier», sagt er und ergänzt: «Aus rein profitgetriebenen Gründen ins Ausland zu gehen, wäre für uns nie ein Ziel.»

Der wichtigste Auslandsmarkt ist Deutschland. Doch je weiter man sich von der Schweiz entferne, desto weniger spiele die Herkunft eine Rolle. «Je weiter man von der Schweiz weggeht, desto weniger relevant ist Swissness – dort zählen vor allem Geschmack und Genuss», sagt Christoph Zweifel.

Führung im Familienunternehmen

Mit der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens hat sich auch die Führungskultur verändert. Während frühere Generationen stärker hierarchisch geprägt waren, setzt Christoph Zweifel heute auf breitere Beteiligung innerhalb der Organisation. «Ich versuche, möglichst viele Fachkompetenzen in Entscheidungen einzubeziehen», sagt er, «jeder soll sich als Teil des Ganzen fühlen.»

Strategieprozesse werden deshalb bewusst offen gestaltet. Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen werden in die Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie eingebunden.

Die Unternehmenskultur sieht Christoph Zweifel als entscheidenden Erfolgsfaktor. «Begeisterung ist einer unserer wichtigsten Werte», sagt Christoph Zweifel, «wenn ich irgendwann keine Lust mehr hätte, ins Büro zu gehen, müsste ich wechseln.»

Verantwortung für die nächste Generation

In den kommenden Jahren stehen grosse Investitionen an, insbesondere in die Produktionsstandorte. Damit soll das Unternehmen auch für die nächste Generation wettbewerbsfähig bleiben. «Wir investieren jetzt massiv in unsere Produktionsstandorte», sagt er. «Damit das Unternehmen für die nächste Generation gut aufgestellt ist», ergänzt er.

Was ihn persönlich antreibt, beschreibt Christoph Zweifel als Mischung aus strategischem Interesse und Verantwortung gegenüber dem Unternehmen. «Ich finde es unglaublich spannend, an der Zukunft eines Unternehmens mitzuarbeiten», sagt er.

Rückblickend möchte er vor allem eines erreichen: «Ich möchte, dass man einmal sagt, diese Dekade hat das Unternehmen entscheidend weitergebracht – strategisch, kulturell und für die nächste Generation.» Darum investiere das Unternehmen heute stark in die Zukunft.

Am Anfang steht dabei oft etwas sehr Einfaches: Eine Kartoffel und die Partnerschaft mit den Menschen, die sie anbauen.