Frauen, die Landwirtschaft tragen
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Es ist ein ungewohnter Blick in die Zukunft: Kein Zahlenblatt, keine PowerPoint-Präsentation mit Temperaturkurven. Stattdessen tauchen die Besucherinnen und Besucher in vier mögliche Welten ein. Die immersive Installation «Changing Climate, Shared Future» im Novartis Pavillon in Basel will sichtbar und spürbar machen, was abstrakte Klimaszenarien für Wirtschaft, Gesellschaft, Natur und letztlich für den Alltag der Menschen bedeuten können.
Nach Basel geholt wurde die vom Beratungsunternehmen EY entwickelte Installation «Four Futures» gemeinsam vom Kanton Basel-Stadt sowie den Chemieunternehmen Lonza, Novartis, Roche und Syngenta. Während zwei Wochen lädt die immersive Ausstellung dazu ein, vier mögliche Zukunftsbilder infolge des Klimawandels zu erkunden – geprägt von den Entscheidungen, die heute getroffen oder eben nicht getroffen werden.
EY beschreibt die Installation als wissenschaftlich fundierte Zeitreise in die zweite Hälfte des Jahrhunderts. Die Folgen heutiger Entscheidungen für Klima, Geopolitik, Wirtschaft, Ressourcen und Gesellschaft sollen nicht als «blosse Datenpunkte auf Papier» erscheinen, sondern als emotional greifbare Erfahrung.
Grundlage ist das sogenannte «Four-Futures»-Modell aus der Zukunftsforschung. Es skizziert vier plausible Entwicklungen: Ein Weiter-wie-bisher, einen Kollaps, einen erzwungenen Kurswechsel mit starken Einschränkungen und eine Transformation, bei der Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam neue Wege finden.
Die Szenarien unterscheiden sich deutlich. Im besten Fall gelingt es, die Erwärmung bis 2100 auf 1,5 Grad zu begrenzen. In einem erzwungenen Übergang steigt sie auf rund zwei Grad. Beim Weiter-wie-bisher liegt die Welt auf einem Pfad von etwa drei Grad – allerdings nur, falls heutige Zusagen tatsächlich eingehalten werden. Im schlimmsten Szenario führt mangelndes Handeln zusammen mit ökologischer Destabilisierung zu rund vier Grad Erwärmung.
Dabei soll herauskristallisiert werden, dass Zukunft nicht einfach etwas ist, das passiert. Sie entsteht aus Entscheidungen – in Unternehmen, in der Politik, in der Forschung und im Alltag.
Der britische Klimaforscher Kevin Anderson hinter dem Zitat gilt als einer der pointiertesten Kritiker allzu optimistischer Klimaszenarien.
Kevin Anderson argumentiert, viele Projektionen zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels beruhten auf Annahmen, die politisch und technisch hoch unsicher seien – etwa auf einem späteren grossflächigen Entzug von CO₂ aus der Atmosphäre. Ohne solche «negativen Emissionen» oder ohne einen bereits früher erreichten Emissionshöhepunkt werde der verbleibende Spielraum drastisch kleiner. So zweifelt Kevin Anderson daran, dass die Klimakrise innerhalb der heutigen wirtschaftlichen Spielregeln noch rechtzeitig lösbar ist.
Damit liefert Kevin Anderson den unbequemen Unterton der Ausstellung: Die Zukunft ist offen – aber nicht beliebig. Wer radikale Veränderungen vermeiden will, hätte früher handeln müssen.
Der Klimawandel und mögliche Zukunftsszenarien der Erwärmung sind auch für die Landwirtschaft von zentraler Bedeutung. Roman Mazzotta, Länderpräsident von Syngenta Schweiz, verwies bei der offiziellen Eröffnung der Installation darauf, dass die Landwirtschaft sowohl Mitverursacherin des Klimawandels als auch eine der am stärksten betroffenen Branchen sei. Bauernfamilien weltweit spürten die Folgen der Klimaveränderung direkt. Gleichzeitig könne die Landwirtschaft ein zentraler Teil der Lösung sein.
Roman Mazzotta betonte dabei die Rolle von Innovation. Am Ende gehe es nicht nur um Klima, sondern auch um Ernährung. Wenn Menschen nicht genügend Lebensmittel hätten, habe das schwerwiegende Folgen. Etwas das sich dann sehr spezifisch auch im Worst-Case-Szenario sowie im Best-Case-Szenario zeigt.
Tatsächlich ist für Bauernfamilien der Klimawandel bereits allgegenwärtig und keinesfalls abstrakt: Trockenheit, Starkregen, neue Schädlinge, veränderten Vegetationsperioden und steigenden Anforderungen an Ressourceneffizienz sind Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft bereits heute stellen muss. Die Frage, welche Zukunft eintritt, entscheidet sich deshalb nicht nur in Konferenzräumen, sondern auch auf Feldern, in Ställen und entlang ganzer Wertschöpfungsketten.
Eine einfache Zukunft bietet die Installation nicht. Selbst das «Weiter-wie-bisher» ist kein wirklich beruhigendes Szenario. Und auch die erzwungene Anpassung zeigt, dass verspätetes Handeln teuer werden kann – nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich. Die positivste Zukunft entsteht dort, wo verschiedene Akteure gemeinsam handeln, statt Verantwortung weiterzureichen.
Oder wie es EY mit einem Zitat von Klimaforscher Kevin Anderson zuspitzt: «Nicht-radikale Zukunftsszenarien gibt es nicht mehr.»
Die Ausstellung in Basel macht damit vor allem eines deutlich: Klimawandel ist nicht nur eine Umweltfrage. Er betrifft Ernährung, Gesundheit, Wirtschaft, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Und er stellt die Frage, ob wir die Zukunft gestalten – oder uns von ihr überrollen lassen.
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