Obstbautradition der Römer in Kroatien neu belebt
Bedingt durch Kriege, Politik und überholte Strukturen liegt landwirtschaftliches Produktionspotential im Balkan brac...
Wer den Biobetrieb von Gabi und Beat Schürch in Kirchberg besucht, muss die Biogasanlage fast suchen. Vieles liegt unter dem Boden, auffällige Bauten gibt es kaum. Dennoch spielt die Anlage auf dem Familienbetrieb seit zehn Jahren eine wichtige Rolle. Der Auslöser für die Investition war ursprünglich ein ganz anderer. «Wir brauchten eine neue Heizung», erinnert sich Beat Schürch. Eine Holzschnitzelheizung stand zunächst zur Diskussion, zumal der Betrieb über rund 19 Hektaren Wald verfügt. Doch nach dem Besuch einer Biogasanlage änderten sich die Pläne. «Uns hat fasziniert, dass wir aus etwas, das ohnehin anfällt, etwas produzieren können», sagt er. Strom auf der einen Seite, weniger klimaschädliche Gase aus der Hofdüngerlagerung auf der anderen.
Auch Gabi Schürch war rasch überzeugt. Eine Schnitzelheizung liefere letztlich «nur» Wärme. Die Biogasanlage dagegen erfülle mehrere Zwecke gleichzeitig. «Es ist ein gutes Gefühl, dass wir aus ‹Bschütti› Strom und Wärme produzieren und auch noch zur Methanreduktion beitragen können», sagt sie schmunzelnd.
Ganz ohne Arbeit geht das allerdings nicht. Die Art von Anlage wie Familie Schürch sie betreibt, verlangt viel Aufmerksamkeit. Rund eine Stunde Aufwand fällt täglich an. «Wir sagen oft, sie sei wie ein zusätzliches Tier», sagt Gabi Schürch. Ihr Mann ergänzt: «Und eher ein intensives als ein extensives.» Verheddert sich Material in einer Pumpe oder läuft ein Prozess nicht wie geplant, braucht es rasch mehrere Arbeitsstunden und Geduld.
Gerade Geduld sei eine entscheidende Voraussetzung, erklärt Beat Schürch. Veränderungen würden oft erst Wochen später eine Wirkung zeigen. Die Mikroorganismen im Fermenter müssten sich zuerst anpassen. Er vergleicht den Prozess mit der Fütterung einer Hochleistungskuh: «Wenn man etwas ändert, muss man drei bis vier Wochen warten, bis man ein Resultat sieht.»
Rückschläge blieben in den vergangenen Jahren nicht aus. Das erste Betriebsjahr bezeichnet das Ehepaar als intensiv. Da es sich um eine der ersten Anlagen dieser Art handelte, mussten zum Beispiel bezüglich Brandschutz Fragen geklärt werden, die sich vorher noch gar nicht gestellt hatten. Trotz dieser Herausforderungen überwiegt heute die Zufriedenheit.
Im Fermenter landen ausschliesslich eigener Hofdünger sowie Kaffeesatz, den sie über Ökostrom Schweiz beziehen, und gebrauchtes Frittieröl von einer nahegelegenen Entsorgungsstelle. Das dabei entstehende Methangas wird genutzt, während die vergorene Gülle wieder auf die Felder zurückkehrt. Laut Familie Schürch bringt die Fermentation auch praktische Vorteile: Die Gülle sei homogener, einfacher auszubringen und verursache deutlich weniger Geruch. «Ich kann am Tag des Ausbringens sogar die Wäsche draussen aufhängen», sagt Gabi Schürch. «Das wäre früher kaum denkbar gewesen», ergänzt sie.
Ob sie die Investition nochmals tätigen würden? Die Antwort kommt ohne Zögern. «Ja», sagt Gabi Schürch. Die Faszination sei geblieben. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändert haben. Als die Anlage gebaut wurde, profitierte der Betrieb von einer kostendeckenden Einspeisevergütung KEV. Dieses Fördersystem ist mittlerweile durch das Einspeisevergütungssystem EVS ersetzt worden, wie Prof. Dr. Michael Studer von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL sagt. Obwohl die Vergütung dort formal aus Marktpreis, Förderprämie und Vermarktungsbeitrag berechnet werde, resultiere daraus in der Praxis ebenfalls ein garantiert fixer Preis pro Kilowattstunde.
Unabhängig vom Fördersystem gilt: Man sollte sich zuerst gut informieren, andere Anlagen besichtigen und sich beraten lassen. Auch Schürchs empfangen immer mal wieder Interessierte und geben ihre Erfahrungen gerne weiter.
Dass Klein-Biogasanlagen in der Schweiz noch immer eine Ausnahme sind, bedauert Michael Studer. Gemessen an den rund 40’000 Landwirtschaftsbetrieben, die Hofdünger produzieren, existieren nur wenige solche Anlagen.
Für Michael Studer liegt der Grund nicht zuletzt darin, dass Biogas zu lange einseitig, als Energieträger betrachtet wurde. Künftig müsse die Diskussion anders geführt werden. Im Zentrum stehe künftig weniger die Stromproduktion als vielmehr die Nutzung als klimafreundlicher Rohstoff – kombiniert mit der Vermeidung von Treibhausgasen.
Besonders die Hofdüngerlagerung verursache erhebliche Methanemissionen. Werden Gülle und Mist rasch in geschlossene Systeme überführt, lässt sich ein Teil dieser Emissionen verhindern. Genau darin sieht Michael Studer das eigentliche Potenzial kleiner Hof-Biogasanlagen. Sie könnten dort wirken, wo die Emissionen entstehen, ohne zusätzliche Transporte zu verursachen.
Gleichzeitig fordert der Forscher ein Umdenken bei der technischen Ausrichtung künftiger Anlagen. Das Ziel sind möglichst einfache Systeme, die ausschliesslich mit Hofdünger betrieben werden können.
Noch weiter reicht sein Blick in die Zukunft, denn Methan ist auch eine wertvolle Kohlenstoffquelle. Studer ist überzeugt, dass biogenes CO₂ künftig stark an Bedeutung gewinnen wird. Was heute oftmals als Nebenprodukt betrachtet wird, könnte künftig ein gefragter Rohstoff für synthetische Energieträger und Grundchemikalien werden. So könnte man mit Methan und CO₂ gleich zwei wertvolle Kohlenstoffquellen bereitstellen.
Zwar sind technische Fragen zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung des im Biogas enthaltenen CO₂ noch nicht vollständig gelöst, Michael Studer sieht in dieser Entwicklung aber eine grosse Chance für die Landwirtschaft. Landwirtinnen und Landwirte könnten künftig nicht nur Lebensmittel produzieren, sondern auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten und dafür neue Einkommensquellen erschliessen.
Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Die Landwirtin oder der Landwirt der Zukunft werde weniger Energiewirt sein als vielmehr Klimawirt. Klein-Biogasanlagen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen, vorausgesetzt, sie werden als Klimaschutzmassnahme verstanden und nicht allein als Technik zur Stromproduktion.
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